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Aus und vorbei mit der Ordnerwirtschaft

Die Zei­ten der Ord­ner sind gezählt. Immer mehr ver­lie­ren star­re Ord­ner­struk­tu­ren an Rele­vanz und auch an Sinn.

Goog­le hat das schon vor Jah­ren erkannt und das klas­si­sche Ord­ner­kon­zept bei ihrem E‑Mail-Dienst Goog­le Mail über den Hau­fen gewor­fen. Dort gibt es kei­ne Ord­ner mehr. Deren Nach­fol­ger hei­ßen Labels und sind uni­ver­sel­ler ein­setz­bar. Muss­te man im Zeit­al­ter der Ord­ner eine E‑Mail einem ein­zi­gen, ein­deu­ti­gen Ord­ner zuord­nen, kann man dank des Label-Kon­zepts eine E‑Mail (oder einen gan­zen Kon­ver­sa­ti­ons­ver­lauf) meh­re­ren The­men, Labels, zuord­nen. Denn nicht immer kann man den Sach­ver­halt einer E‑Mail oder einer gan­zen Kon­ver­sa­ti­on einem ein­zi­gen The­ma zuord­nen. Nicht zuletzt dank der inte­grier­ten Archiv-Funk­ti­on kann man das Inbox-Zero-Kon­zept ver­fol­gen, ohne jemals wie­der eine E‑Mail löschen zu müs­sen. E‑Mails las­sen sich aber auch ohne die Ver­wen­dung von Labels blitz­schnell wie­der­fin­den, Goog­le ist nicht umsonst Exper­te im Fin­den von Din­gen. Eine Suche nach einer bestimm­ten E‑Mail dürf­te im Zwei­fels­fal­le also schnel­ler gehen, als in vier Dut­zend Ord­nern hän­disch nach einer E‑Mail zu suchen.

Aber die feh­len­de Not­wen­dig­keit, peni­bel Ord­nung hal­ten zu müs­sen hat sich mitt­ler­wei­le auch außer­halb des E‑Mail-Post­fachs mani­fes­tiert. Zu ver­dan­ken hat der Com­pu­ter­be­nut­zer das den sys­tem­weit funk­tio­nie­ren­den Meta­su­chen, die alle moder­nen Betriebs­sys­te­me mitt­ler­wei­le imple­men­tiert haben. Begon­nen hat damit Apple anno 2005, als sie ihrem Betriebs­sys­tem Mac OS 10.4 Tiger die sys­tem­wei­te Suche Spot­light spen­dier­ten. Spot­light funk­tio­niert wie eine Such­ma­schi­ne für den eige­nen Com­pu­ter und weiß immer bescheid, wo wel­che Datei­en mit wel­chen Inhal­ten (sofern sie nicht ver­schlüs­selt sind) lie­gen. Anstatt also auf­wän­dig nach einer Datei unter dut­zen­den oder gar hun­der­ten zu fahn­den, rufe ich ein­fach Spot­light auf und las­se für mich fin­den. Win­dows hat seit Vis­ta eine ähn­li­che Metho­dik imple­men­tiert, Linux kann das auch schon eine gan­ze Wei­le. Die­se ein­ge­bau­ten Such­in­di­zes las­sen sich aber nicht nur für das Auf­fin­den von Datei­en nut­zen, Pro­gram­me las­sen sich auf die­se Art und Wei­se auch schnel­ler star­ten. Anstatt auf mei­nem iMac ein Pro­gramm auf­wän­dig im Pro­gram­me-Ver­zeich­nis zu suchen oder mei­nen Schreib­tisch bzw. mein Dock mit Ver­knüp­fun­gen zu ver­schan­deln, drü­cke ich ein­fach Alt-Space und gebe die ers­ten zwei, drei Buch­sta­ben des zu star­ten­den Pro­gramms ein. Im Regel­fall genügt ein Druck auf die Enter­tas­te, das gewünsch­te Pro­gramm star­tet. Für Linux gibt es ähn­li­che Lösun­gen, unter Win­dows kann man die ein­ge­bau­te Such­box im Start­me­nü nut­zen (Druck auf die Win­dows-Tas­te, tip­pen, Enter drü­cken).

Der Bereich der Medi­en­ver­wal­tung ver­zeich­net ähn­li­che Ten­den­zen. Wenn ich Musik auf mei­nen Rech­ner kopie­re, küm­me­re ich mich nicht um die Abla­ge, son­dern schie­be das Ver­zeich­nis ein­fach in iTu­nes. Möch­te ich dann mal Musik eines bestimm­ten Inter­pre­ten hören, gebe ich des­sen Namen ein­fach in die Such­box ein. Wenn ich von einer Foto­tour wie­der kom­me, klem­me ich mei­ne Kame­ra nur an und über­las­se Aper­tu­re die Ver­wal­tung mei­ner Bild­da­ten. Bin ich der Mei­nung, dass eini­ge Fotos meh­re­ren Alben zuge­ord­net wer­den soll­ten, ist das kein Pro­blem, dop­pel­te Daten­men­gen habe ich dadurch nicht.

Natür­lich gibt es nach wie vor wei­ter­hin gute Anwen­dungs­fäl­le für Ord­ner, im Bereich der eige­nen Daten­ver­wal­tung kann ich aber kei­nen mehr ent­de­cken. Mir ist es herz­lich egal, wo mei­ne Daten lie­gen. Ich brau­che mei­nen Kopf für ande­re Din­ge, mein Com­pu­ter kann das deut­lich bes­ser.