Shareware für den Mac [Update]


Frü­her setz­te ich den Begriff Share­ware mit einer Krank­heit gleich. Soft­ware, die als Share­ware publi­ziert wur­de, war oft von nur durch­schnitt­li­cher, wenn nicht gar schlech­ter Qua­li­tät. Dies galt frü­her ins­be­son­de­re für Win­dows-Anwen­dun­gen. Eine wirk­li­che Kon­kur­renz zu Win­dows, wie sie heu­te in Form von Mac OS X und Linux exis­tiert, gab es zum dama­li­gen Zeit­punkt auch nicht. Ich rede von der Mit­te bis Ende der ’90er Jah­re, als Mac OS noch nicht in der Ver­si­on X vor lag und Linux über kei­ne nen­nens­wer­te gra­fi­sche Ober­flä­che ver­füg­te. Die meis­te Share­ware, die ich damals kann­te, war wirk­lich mies und auf­grund des noch in den Kin­der­schu­hen befind­li­chen Inter­nets auch schwer zu bekom­men. Heft-CDs waren meist voll von die­sen Anwen­dun­gen, die Frei­schal­tung sol­cher Pro­gram­me gestal­te­te sich aber auf­grund der feh­len­den Mög­lich­keit, online zu bezah­len als eher schwie­rig. Als das Inter­net und ins­be­son­de­re das WWW popu­lä­rer wur­de, erschie­nen auch immer mehr Anwen­dun­gen mit die­sem Lizenz­mo­dell. An der Qua­li­tät änder­te sich aber kaum etwas. Zu mei­nen akti­ven Win­dows-Zei­ten (ca. 1994 bis 2005) umging ich Share­ware, wo ich nur konn­te. Auch heu­te ken­ne ich kaum gute Share­ware-Anwen­dun­gen für Win­dows. Das Open-Source-Modell mach­te sich breit und brach­te, wenigs­tens für mich, den Todes­stoß für die Share­ware. Das attrak­ti­ve an Share­ware-Appli­ka­tio­nen ist, dass man die Soft­ware aus­gie­big tes­ten kann, bevor man sie kauft. Trotz­dem war ich bei kei­ner mei­ner damals getes­te­ten Anwen­dun­gen bereit, auch nur einen Cent für die­se aus­zu­ge­ben, zumal es meist deut­li­che bes­se­re Anwen­dun­gen der glei­chen Gat­tung unter einer frei­en Lizenz gab.

Dras­tisch geän­dert hat sich das für mich, als ich im Jah­re 2005 mei­nen ers­ten Mac gekauft habe. Anfangs exis­tier­te Share­ware für mich wei­ter­hin nur neben­her, ich habe sie kaum beach­tet. Irgend­wann ent­deck­te ich dann aber immer mehr wirk­lich genia­le Share­ware-Pro­gram­me. Die meis­ten Open-Source-Anwen­dun­gen nerv­ten mich schon nach kur­zer Zeit, weil sie sich ein­fach nicht in das nati­ve Look-and-Feel von Mac OS X ein­pas­sen woll­ten. Anfangs noch zöger­lich, war ich immer mehr bereit, für die­se net­ten klei­nen Anwen­dun­gen auch Geld zu bezah­len. Mitt­ler­wei­le habe ich einen recht gro­ßen Schatz an Share­ware-Anwen­dun­gen im Ein­satz, für die ich gern bereit war, die Lizenz­ge­büh­ren zu zah­len. Die meis­ten die­ser Anwen­dun­gen kos­ten nur weni­ge Euro, erleich­tern einem das Leben aber unge­mein. Gene­rell den­ke ich aber, dass die gro­ße Aus­wahl an wirk­lich qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Share­ware auf der Mac-Platt­form mit der Men­ta­li­tät der Apple-Nut­zer zu tun hat. Vie­le Linux-Nut­zer nut­zen Linux, weil sie nicht bereit sind, für Soft­ware Geld aus­zu­ge­ben. Daher stel­le ich mir es auch schwie­rig vor, für Linux-Only-Appli­ka­tio­nen Lizenz­ge­büh­ren zu ver­lan­gen. Im Win­dows-Bereich sieht es wit­zi­ger­wei­se nicht anders aus. Die wenigs­ten Leu­te, die ich ken­ne und die ihren Rech­ner haupt­säch­lich zum Spie­len nut­zen, sind bereit für Soft­ware Geld aus­zu­ge­ben. Die Raub­ko­pier­men­ta­li­tät ist dort sehr weit ver­brei­tet. Mitt­ler­wei­le gibt es eine gute und gro­ße Aus­wahl an Open-Source-Anwen­dun­gen für Win­dows, die den meis­ten Win­dows-Anwen­dern die Raub­ko­pie­re­rei erspa­ren wür­den, wenn die Bereit­schaft fehlt, Geld für Soft­ware zu bezah­len. Aus irgend­ei­nem, mir total uner­find­li­chen Grun­de aber, kopie­ren die meis­ten lie­ber wei­ter­hin kom­mer­zi­el­le Anwen­dun­gen, obwohl es freie Alter­na­ti­ven gäbe. Qua­si kei­ne die­ser Per­so­nen hat aber in ihrem gan­zen Leben auch nur eine Zei­le Quell­code geschrie­ben, weiß also nichts von der Schwie­rig­keit der Soft­ware­ent­wick­lung. Im Mac-Bereich hin­ge­gen schei­nen sehr vie­le Benut­zer gern bereit zu sein, ein paar Euro für wirk­lich nütz­li­che Anwen­dun­gen aus­zu­ge­ben. Das führt dazu, dass ein rie­sen­gro­ßer Markt für den Mac ent­stan­den ist, der so eini­ge Per­len bereit hält, die sich (fast) jeder ohne Pro­ble­me leis­ten kann. Ich will an die­ser Stel­le ein­fach mal eine klei­ne Auf­lis­tung mei­ner Lieb­lings­an­wen­dun­gen veröffentlichen:

1PasswordDAS Pro­gramm zur siche­ren Ver­wal­tung von Pass­wör­tern auf dem Mac. iPho­ne-Cli­ent kos­ten­frei über den AppS­to­re erhält­lich.

Awa­ken — schi­ckes klei­nes Pro­gramm, das aus dem Mac einen Wecker macht

Cover­S­u­tra — hat kei­nen wirk­li­chen Nut­zen, macht aber ein­fach Spaß 😉 Es blen­det (u.a.) das Cover des aktu­ell in iTu­nes abge­spiel­ten Albums auf dem Desk­top ein

Fren­zic — abso­lut süch­tig-machen­des Logik- und Reak­ti­ons­spiel; iPho­ne-Ver­si­on via AppS­to­re erhält­lich

Gara­ge­Sa­le Basic — für den pri­va­ten eBay-Ver­käu­fer; tol­le Auf­ma­chung, ein­fa­che Bedie­nung, tol­ler Preis

Litt­le Snitch — Fire­wall-Addon für Mac OS X

Pic­tures­que — zau­bert mit weni­gen Maus­klicks aus einem nor­ma­len Foto ein klei­nes Kunst­werk mit Spie­ge­lun­gen und ähn­li­chen Effekten

Pixel­ma­torDIE Share­ware-Bild­be­ar­bei­tung für den Mac, ist locker den dop­pel­ten Kauf­preis wert

Pocket­Mac Ring­to­ne­Stu­dio — ein­fach zu bedie­nen­des Pro­gramm zur Erstel­lung eige­ner Klin­gel­tö­ne für das iPhone

Text­Ma­teDER Text­edi­tor für den Mac. Punkt. Ach ja, kla­rer Tipp für Rails-Ent­wick­ler. Noch ein Punkt.

Things — die wohl bes­te GTD-Anwen­dung für den Mac, iPho­ne-Cli­ent sepa­rat über den AppS­to­re erhält­lich

Trans­mit — der bes­te, mir bekann­te FTP-Cli­ent für die Mac-Plattform

Twit­te­ri­fic — optisch der anspre­chends­te Twit­ter-Cli­ent für den Mac, funk­tio­nal nicht über­ra­gend, aber aus­rei­chend. In der kos­ten­lo­sen Ver­si­on wer­be­fi­nan­ziert. iPho­ne-Pen­dant über den AppS­to­re erhält­lich.

World of Goo — frisch erschie­ne­nes Logik­spiel mit ganz eige­nem Flair

Wer ein wenig die Augen auf­hält, bekommt immer wie­der von Bund­les Wind, die es bei­spiels­wei­se bei MacHe­ist oder Mac­Up­date Pro­mo gibt. Die­se kos­ten zumeist nur einen Bruch­teil des Gesamt­prei­ses aller Anwen­dun­gen. Im MacHe­ist-Bund­le von vor ziem­lich genau einem Jahr habe ich für US-$ 49,99 unter ande­rem die Anwen­dun­gen 1Password, Pixel­ma­tor, Awa­ken und Cover­S­u­tra bekom­men, die zusam­men schon einen Wert von rund US-$ 135,– haben. Dabei waren wei­te­re acht Anwen­dun­gen und zwei Spie­le. Zwei der Anwen­dun­gen, Task­Pa­per und Speed Down­load, hat­te ich auch eine Wei­le im Ein­satz, was den Wert des Bund­les für mich um wei­te­re US-$ 55,– ange­ho­ben hat. Je nach­dem habe ich also zwi­schen 85 und 140 US-Dol­lar gespart. Die Bund­les seit­dem haben mich nicht so vom Hocker gehau­en, hiel­ten aber auch eini­ge Per­len bereit.

Mein Fazit lau­tet auf jeden Fall, dass die wohl bes­ten Anwen­dun­gen für den Mac defi­ni­tiv aus der Share­ware-Ecke kom­men. An die­ser Stel­le möch­te ich des­we­gen auch mei­ne tie­fe Ehr­furcht vor den vie­len uner­müd­li­chen Share­ware-Ent­wick­lern für den Mac zum Aus­druck bringen 🙂

[Update]

Zwei Pro­gram­me hab ich doch glatt ver­ges­sen. Bei­de kom­men vom sel­ben Team, näm­lich plasq:

Comic Life (Magiq) — ein echt coo­les Pro­gramm (bei­de Ver­sio­nen), mit deren Hil­fe man mit wenig Auf­wand wirk­lich schön gestal­te­te Comics kre­ieren kann (ein klei­nes, in drei Minu­ten zusam­men­ge­klick­tes Bei­spiel fin­det ihr hier)

Skitch — ein Cap­tu­re-It-All-In-Seconds-Tool, befin­det sich der­zeit noch in der Beta­pha­se, und das schon seit gerau­mer Zeit und ist somit noch kos­ten­frei. Ange­bun­den dar­an ist ein Web­ser­vice, über den man ganz bequem die ein­ge­fan­ge­nen Bil­der sharen kann.


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