Reisebericht Gran Canaria

Unser ers­ter Urlaub die­ses Jahr fand zu viert statt und hat­te als Ziel die kana­ri­sche Insel Gran Cana­ria. Unse­re Freun­de waren schon ein­mal dort, mei­ne Freun­din auch, bei ihr ist es aber schon eini­ge Jah­re her gewe­sen. Bei mei­ner Kana­ren­kreuz­fahrt im ver­gan­ge­nen Jahr habe ich Gran Cana­ria auch schon mal kurz betre­ten, aus dem Bus­fens­ter aber nur die öst­li­che Küs­te gese­hen, die sich vor allem durch viel Müll und trost­lo­se Fel­sen aus­zeich­net. Egal, der Preis stimm­te und das Kli­ma wohl auch, also wur­de im Janu­ar für den April gebucht.

Geht ja gut los …

Die ers­te Hiobs­bot­schaft, allen Ver­ständ­nis­ses zum Trot­ze, erreich­te uns, als wir erfuh­ren, dass genau am Tag unse­rer Abrei­se das Boden­per­so­nal am Flug­ha­fen in Han­no­ver zu strei­ken begin­nen woll­te. Wir wur­den von der Rei­se­ge­sell­schaft dar­um gebe­ten, vier Stun­den vor Abflug am Flug­ha­fen ein­zu­tref­fen. Also mit­ten in der Nacht. Und vier Stun­den am Flug­ha­fen tot­zu­schla­gen macht echt kei­nen Spaß. Aber trotz allem star­te­te unser Flie­ger pünkt­lich und setz­te uns eben­so pünkt­lich auf Gran Cana­ria wie­der ab. Von dort aus ging es mit dem bereits reser­vier­ten Miet­wa­gen direkt zum Hotel.

Günstig ist nicht unbedingt schlecht

Unser Hotel war ein­fach, das WLAN furcht­bar lang­sam und die Park­platz­si­tua­ti­on vor Ort liess auch zu wün­schen übrig. Dafür ent­schä­dig­te das äußerst freund­li­che Per­so­nal, die Strand­nä­he und zu guter letzt auch die erstaun­lich gute Küche, mit der ich bei dem Preis nicht gerech­net hat­te. Das Essen war echt lecker.

Die Bet­ten waren ok, die Vor­hän­ge genüg­ten, um das Zim­mer wenigs­tens halb­wegs abzu­dun­keln und wir hat­ten einen schön gro­ßen Bal­kon. Lei­der waren die Bewoh­ner des benach­bar­ten Zim­mers ziem­lich laut, aber auch damit arran­giert man sich ja irgend­wann.

Gran Canaria — ein trockener Fels im Atlantik

Gran Cana­ria ist vor allem eins: tro­cken. Im Nor­den, wie auf den kana­ri­schen Inseln üblich, fällt rela­tiv viel Regen. Im Lan­des­in­ne­ren, in den Ber­gen, noch deut­lich mehr. Dafür gibt es im Süden gar kei­nen Regen. Wo der Mensch nicht bewäs­sert, wächst bis auf eini­ge genüg­sa­me Boden­de­cker rein gar nichts.

Was dort aber wächst sind Bet­ten­bur­gen. Mas­sen­wei­se. Der Groß­teil scheint in den ‘70ern und ‘80ern gebaut wor­den zu sein. Und wur­de schein­bar seit­dem auch nicht mehr ange­fasst. Es gibt eini­ge schö­ne­re Hotels und damit auch Gegen­den, aber der Groß­teil ist ein­fach unsäg­lich häss­lich.

Unsäg­lich häss­lich ist auch die Ost­küs­te, wie schon erwähnt, wo hau­fen­wei­se Müll am Stra­ßen­rand liegt. Der Nor­den besteht eigent­lich nur aus Indus­trie und die West­küs­te besteht aus schrof­fen Fels­wän­den.

Die Schönheit liegt in der Mitte

Im Lan­des­in­ne­ren hin­ge­gen bie­tet sich, auch dank der höhe­ren Nie­der­schlä­ge, ein ganz ande­res Bild. Ken­nen­ge­lernt haben wir die­sen Teil der Insel wäh­rend eines orga­ni­sier­ten Aus­flugs, der „Gran Cana­ria High­lights“ genann­ten Tour. Und die kann ich jedem Gran-Cana­ria-Urlau­ber wärms­tens emp­feh­len.

Wir wur­den mor­gens von einem Klein­bus vor der Hotel­tü­re abge­holt. Nach­dem sich alle Bus­se an einem Sam­mel­punkt getrof­fen hat­ten, ging es in die Ber­ge. Unser Fahr­zeug war das ers­te in der Kolon­ne und unser Fah­rer war neben­bei auch noch der Kame­ra­mann. Das wie­der­um sorg­te dafür, dass er immer wie­der sei­ne Posi­ti­on in der Kolon­ne gewech­selt hat und das mit teil­wei­se ziem­lich wag­hal­si­gen Fahr­ma­nö­vern. Ich hat­te mei­nen Spaß, der eine oder ande­re wur­de aber leicht grün um die Nase.

Unser Rei­se­lei­ter war gebür­ti­ger Düs­sel­dor­fer, der seit eini­gen Jah­ren auf Gran Cana­ria leb­te und sei­nen Lebens­un­ter­halt schein­bar im Tou­ris­mus ver­dient. Sei­ne Art und Wei­se das Gese­he­ne und Gesche­he­ne zu kom­men­tie­ren war wirk­lich ziem­lich unter­halt­sam.

Im Lan­des­in­ne­ren bie­tet sich ein ziem­lich abwechs­lungs­rei­ches Bild. Vor eini­gen Jah­ren gab es einen ver­hee­ren­den Wald­brand, der das Bild ziem­lich umge­stal­tet hat. Es gibt Stau­se­en, Farn­wäl­der, klei­ne Berg­städ­te und noch eini­ges mehr, was man ent­de­cken kann. Wäh­rend der Tour wur­den aus­rei­chend vie­le Pau­sen gemacht, zur Stär­kung, zum Foto­gra­fie­ren oder ein­fach nur zum Sight­see­ing.

Die­se Tour kriegt eine kla­re Emp­feh­lung von mir und ist jeden Cent wert.

Stargazing mit Gautier

Mein abso­lu­tes High­light ist aber die Star­ga­zing-Tour mit Gau­tier gewe­sen. Auch er bot uns den vol­len Ser­vice und hol­te uns mit sei­nem Trans­por­ter direkt vor der Tür unse­res Hotels ab. Nach­dem wir noch ein wei­te­res Pär­chen ein­ge­sam­melt hat­ten, ging es wie­der in die Ber­ge.

Dort pack­ten wir auf einer Lich­tung sein Refrak­tor­te­le­skop aus und began­nen, uns Ster­ne, Stern­hau­fen aber auch nahe Pla­ne­ten genau­er anzu­schau­en. Ich nutz­te die Gele­gen­heit außer­dem, eini­ge Nacht­fo­tos zu machen. Irgend­wann zog der Him­mel dann zu. Gau­tier pack­te uns und sein Tele­skop kur­zer­hand noch mal in sein Auto und fuhr noch mal eini­ge Höhen­me­ter wei­ter, wo wir erneut mit dem Tele­skop den Ster­nen­him­mel inspi­zier­ten.

Noch kla­re­re Emp­feh­lung: machen!

Delfine!!!

Wer schon immer mal die Mög­lich­keit wahr­neh­men woll­te, Del­fi­ne in ihrer natür­li­chen Umge­bung zu beob­ach­ten, kann das auf Gran Cana­ria machen. Wir sind zu dritt los­ge­zo­gen und wur­den wie­der mit dem Bus abge­holt. Der fuhr uns direkt zum Hafen, wo wir auf ein Boot wech­sel­ten, das uns aufs Meer raus­brin­gen soll­te.

Auf dem offe­nen Meer gin­gen dann die „Del­fin­jä­ger“ an die Arbeit und such­ten nach Spu­ren der Tie­re. Wir steu­er­ten auf ein Del­fin­ru­del zu und beka­men vie­le Tie­re zu Gesicht. Das ging so eine gan­ze Wei­le, bis wir die Tie­re wie­der in Ruhe lies­sen. Auf dem Rück­weg beka­men wir dann noch einen Buckel­wal zu Gesicht, der Ver­wen­dung sei­nes Blas­lochs mach­te. Ein tol­les Schau­spiel.

Auf dem Rück­weg zur Insel mach­ten wir dann noch einen klei­nen Bade­s­top, wo alle ins Was­ser hüp­fen durf­ten, deren Magen noch nicht rebel­lier­te und die die Käl­te igno­rier­ten. Im April darf man noch kei­ne 22 Grad im Atlan­tik erwar­ten …

Parque de los Cocodrilos

Mei­ne Freun­din liebt Kro­ko­di­le, also muss­ten wir natür­lich dem Par­que de los Cocodri­los einen Besuch abstat­ten. Dort gibt es nicht nur Kro­ko­di­le, son­dern auch vie­le ande­re Tie­re. Der Rund­gang dau­er­te rund vier Stun­den, wenn mich mein Erin­ne­rungs­ver­mö­gen nicht trügt. Es gab neben den übli­chen Tier­ge­he­gen auch noch die eine oder ande­re Show und auch die Mög­lich­keit, einen Wüs­ten­fuchs und ein Baby­kro­ko­dil aus nächs­ter Nähe zu begut­ach­ten und auch zu strei­cheln.

Der Park hat sich den Tier­schutz auf die Fah­nen geschrie­ben und wohl für die eine oder ande­re Repo­pu­la­ti­on gesorgt. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber trotz­dem hat­ten wir eine Men­ge Spaß.

Las Dunas de Maspalomas

Eines der Wahr­zei­chen der Insel sind sicher­lich die Dünen von Maspa­lo­mas. Schaut man nur in Rich­tung Meer, bekommt man den Ein­druck, mit­ten in einer Wüs­te zu sein. Direkt am Meer befin­det sich auch ein unheim­lich lan­ger und recht wenig besuch­ter Strand. In Rich­tung des Lan­des­in­ne­ren sieht man eini­ge schi­cke Hotels, die sich erfreu­li­cher­wei­se von den rest­li­chen Bet­ten­bur­gen ein wenig abhe­ben.

Kulinarisches

An der Tou­ris­ten­pro­me­na­de fin­det man in der Regel lecke­res Essen zu einem guten Kurs. Man wird also nicht mit dem Müll für Tou­ris­ten abge­speist. Bes­ser, aber auch teu­rer, wird das Essen aber natür­lich abseits die­ser Berei­che. Wir sind zu zweit ein paar Kilo­me­ter gefah­ren und haben uns dort in ein lau­schi­ges Restau­rant direkt an einer Bucht gesetzt und eine Pael­la bestellt. Man, war die lecker. Aber wie gesagt, auch das Essen in den Tou­ris­ten­be­rei­chen ist mehr als nur ess­bar und preis­lich auch wirk­lich attrak­tiv.

Schön war’s, aber ein zweites Mal wird es trotzdem nicht geben

So viel sehens­wer­tes gibt es auf der Insel ein­fach nicht, als dass ich ein zwei­tes Mal dort hin flie­gen wür­de. Es war ein schö­ner Urlaub, aber Tene­rif­fa oder La Pal­ma sind die schö­ne­ren kana­ri­schen Inseln. Baden kann man auf Tene­rif­fa auch her­vor­ra­gend, auf La Pal­ma ist das nicht ganz so ein­fach, aber natür­lich auch mög­lich. Gran Cana­ria ist aktu­ell das schein­bar güns­tigs­te Ziel, wenn man zur kal­ten Jah­res­zeit in Deutsch­land in wär­me­re Gefil­de möch­te und auch das güns­tigs­te Ziel unter den Kana­ren. Wer also auf’s Geld ach­ten muss, kann Gran Cana­ria getrost in die enge­re Aus­wahl zie­hen. Wenn ein paar Euro mehr in der Urlaubs­kas­se lie­gen, emp­feh­le ich aber Tene­rif­fa oder La Pal­ma.

5 Antworten auf „Reisebericht Gran Canaria“

  1. Del­fin­de sind auf Gran Cana­ria wirk­lich ein abso­lu­tes High­light. Eine sol­che Tour habe ich auch schon unter­nom­men — rich­tig schön. Die Kana­ren und vor allem Gran Cana­ria ist eine der schöns­ten Kana­ri­schen Inseln.

  2. Hal­lo Ulf! Ich war schon auf fast allen Kana­ri­schen Inseln, aber Del­fi­ne habe ich noch nie gese­hen! Sieht aber echt toll aus, das müs­sen wir in unse­rem nächs­ten Urlaub unbe­dingt machen! Hast du viel­leicht Emp­feh­lun­gen auch zum The­ma Nacht­le­ben? Das haben wir letz­tens auch nicht wirk­lich erlebt.
    Dan­ke und lie­ben Gruß,
    Sophie G

    1. Hal­lo Sophie, dan­ke für dei­nen Kom­men­tar. Am Nacht­le­ben haben wir uns nicht wirk­lich betei­ligt, also lei­der kei­ne Emp­feh­lun­gen von mir. Viel Spaß bei der Del­fin­be­ob­ach­tung und im Nacht­le­ben :-).

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