Mini-Server für schmales Geld

Mini-Server für schmales Geld

Kürz­lich fand ein Mac Stu­dio sei­nen Weg auf mei­nen Schreib­tisch und lös­te damit mei­nen rund fünf Jah­re alten iMac 5K ab, der mir bis hier­hin gute Diens­te geleis­tet hat. Ich habe mich für die Basis-Fas­sung ent­schie­den und ein­zig die 1 TB gro­ße SSD als Upgrade gekauft. Ein tol­ler Com­pu­ter, rasant schnell und fast unhör­bar lei­se, egal, wel­che Last ich ihm zu wer­fe. Aber dar­um soll es in die­sem Arti­kel nicht gehen.

Ein für mich recht gro­ßes Pro­blem mit App­les CPUs ist, dass sie kei­nen x86-Code aus­füh­ren. Und ab und an brau­che ich doch die eine oder ande­re vir­tu­el­le Maschi­ne mit Betriebs­sys­tem und Soft­ware, die für x86 geschrie­ben wur­de. Und die läuft nun mal auf App­les ARM-basier­ten CPUs nicht.

Was also tun? Mei­ne Gaming-Kis­te steht zwar im sel­ben Raum und hat natür­lich eine x86-kom­pa­ti­ble CPU, aber dann müss­te ich stän­dig zwi­schen bei­den Rech­nern hin und her rut­schen, je nach­dem, was ich vir­tua­li­sie­ren möch­te. Außer­dem ist so ein Gaming-Note­book, wenigs­tens meins, recht laut, also nichts, was ich län­ger als nötig lau­fen las­sen möch­te. Beim Zocken tra­ge ich ein Head­set, beim Arbei­ten meist nicht.

Klein und leise soll er sein

Ich habe natür­lich zu aller­erst an die Intel NUCs gedacht, die Platz­hir­sche am Markt der kom­pak­ten PCs, aber ganz bil­lig sind sie eben auch nicht. Und mei­ne Schmerz­gren­ze für die Lösung die­ses Pro­blems liegt bei 500 €. Für 500 € bekommt man zwar einen NUC, aber nicht mit einer Aus­stat­tung, die ange­mes­sen ist, wenn man vir­tua­li­sie­ren möchte. 

Fün­dig wur­de ich letzt­lich bei Minis­fo­rum. Noch nie gehört? Ich auch nicht. Aber wie es scheint, rüh­ren sie ordent­lich die Mar­ke­ting-Trom­mel für ihre kom­pak­ten PCs, auf jeden Fall fin­den sich hau­fen­wei­se Videobei­trä­ge bei You­Tube, in denen er auch ger­ne mal als Alter­na­ti­ve zum Mac mini oder gar Mac-mini-Kil­ler pro­mo­tet wird. Bold claim, wür­de ich sagen, aber dafür brau­che ich den Rech­ner ja auch gar nicht.

Ich habe mir dann für 399 € den Desk­Mi­ni UM350 bestellt. AMD Ryzen 5 3550H, 16 GB RAM, 512 GB nVME-SSD. Etwas mehr RAM hät­te es ger­ne sein kön­nen, bie­tet Minis­fo­rum aber bei die­ser Vari­an­te nicht an. Der Rest aber soll­te pas­sen, der Ryzen hat vier ech­te Ker­ne und macht damit acht Threads und für die paar vir­tu­el­len Maschi­nen, die ich brau­che, soll­ten mir auch 512 GB Spei­cher genügen.

Desk­Mi­ni UM350

Nach dem Aus­pa­cken fiel als ers­tes die sehr bil­lig anmu­ten­de Ver­ar­bei­tung nega­tiv auf. Ich hat­te schon die Befürch­tung, einen Chi­na­kra­cher erwor­ben zu haben und fürch­te­te mich schon vor dem Lüf­ter­lärm. Aber nein, der Rech­ner ist lei­se, solan­ge man ihn nicht unter Vollast betreibt. 

ESXi auf Nicht-Serverhardware

Ich woll­te dann VMwares ESXi instal­lie­ren und stieß natür­lich gleich auf das ers­te Pro­blem: die Onboard-Netz­werk­kar­te wird nicht erkannt, die Soft­ware damit nutz­los. Aber VMware selbst schrei­tet hier zur Hil­fe und bie­tet, ja, ich konn­te es auch kaum glau­ben, Unter­stüt­zung für USB-Netz­werk­kar­ten an. Nach­dem man mit der Ver­si­on 7 die Unter­stüt­zung für Linux-Trei­ber ent­fernt hat, funk­tio­nier­ten näm­lich vie­le Con­su­mer-NICs auf ein­mal nicht mehr. Es gibt zwar ein Com­mu­ni­ty-Dri­ver-Paket, das aber bringt nur Trei­ber für Intel-NICs mit. NUC-Besit­zer dürf­ten damit glück­lich wer­den, ich mit mei­nem Mini-Rech­ner aus Chi­na konn­te damit aber nichts anfan­gen. Das Trei­ber-Paket von VMware gibt’s direkt auf der Flings-Site von VMware zum Down­load. Blöd ist nur, dass man die nicht ein­fach im gestar­te­ten Instal­ler nach­la­den kann. Es bedarf eines ange­pass­ten ISO-Images, von dem man den Rech­ner boo­ten muss. Das soll­te sich als ganz schö­ne Odys­see herausstellen.

Auf Administrator.de fand ich einen viel­ver­spre­chen­den Bei­trag, nur lei­der warf das dort ver­öf­fent­lich­te Script einen Feh­ler im letz­ten Schritt, wenn es ums Bau­en des ISOs geht. Weni­ge Tage nach mei­nem ers­ten Ver­such gab es vom oben erwähn­ten Fling-Trei­ber auch ein Update, aber lei­der hat­te ich auch mit die­ser Ver­si­on kei­nen Erfolg.

Auf dem wirk­lich groß­ar­ti­gen Blog virten.net habe ich eini­ge Bei­trä­ge zu dem The­ma gefun­den, wie bspw. die­sen hier. Letz­ten Endes scheint es mit allen Ver­sio­nen von ESXi und Fling zu funk­tio­nie­ren, abge­se­hen eben von der aktu­el­len Ver­si­on, was der­zeit 7.0 Update 3d ist. Ich habe mich nun damit abge­fun­den, erst mal nur das Update 2 ver­wen­den zu kön­nen. Wer kei­ne Intel-CPU ver­wen­det lei­det auch nicht unter der Sicher­heits­lü­cke, die mit dem Update 3 beho­ben wur­de. Aktu­ell also, Ende Mai 2022, scheint die ein­zi­ge Vari­an­te zu sein, eine leicht ver­al­te­te Ver­si­on zu ver­wen­den. Ich hof­fe ein­fach, dass ich beim nächs­ten Update wie­der mit­spie­len kann.

Nach­dem das ISO also nun gebaut war und auch funk­tio­nier­te, muss­te ich nach der Instal­la­ti­on lei­der fest­stel­len, dass ESXi sich sat­te 120 von den ca. 500 GB mei­ner inter­nen SSD gegönnt hat. Das lässt sich aber behe­ben, indem man beim Start des ISO Umschalt‑O drückt und dann ans Ende der Para­me­ter fol­gen­den anfügt:

autoPartitionOSDataSize=16384

https://armann-systems.com/wiki/vmware‑7–0‑installation-osdata-partition-120gb-verkleinern/

VMware selbst sagt zwar, dass es min­des­tens 33 GB sein sol­len, ich war aber mal mutig und habe mich mit rund der Hälf­te begnügt. Wer sich an VMwares Emp­feh­lung hal­ten möch­te, kann das aber natür­lich tun. Aktu­ell sind auf mei­nem Ser­ver 3 von 16 GB belegt, ich rech­ne also nicht mit Problemen.

Fazit

Ich habe nun also erfolg­reich einen ESXi auf dem Desk­Mi­ni instal­lie­ren kön­nen. Die USB-Netz­werk­kar­te ver­rich­tet tadel­los ihre Arbeit und die Ver­klei­ne­rung der Sys­tem­par­ti­ti­on scheint auch kei­ne Pro­ble­me zu machen. Die Per­for­mance ist, zumin­dest für mei­ne Zwe­cke mehr als aus­rei­chend. Und soll­te das RAM doch mal knapp wer­den, lässt sich die­ses beim Desk­Mi­ni pro­blem­los erweitern.

Eini­ge von euch fra­gen sich viel­leicht, wie­so es aus­ge­rech­net ein ESXi wer­den muss­te. Ich ver­wen­de auf mei­nem Mac VMware Fusi­on und fin­de das Fea­ture, einen ESXi direkt anbin­den zu kön­nen ein­fach per­fekt. Ich ver­wen­de Kali ger­ne auch mit gra­fi­scher Ober­flä­che, weil das eine oder ande­re Tool ja auch eine GUI braucht und dafür ist das Fea­ture von VMware ein­fach klasse.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.