Mac statt Vista?

So titel­te die c’t in ihrer letz­ten Aus­ga­be. Ich fand den Arti­kel sogar gar nicht mal so schlecht, bin aber, wie vie­le ande­re Leser auch, der Mei­nung, dass zu wenig auf die bis­her “unko­pier­ten” Sei­ten ein­ge­gan­gen wur­de, näm­lich die­se ein­heit­li­che Benut­zung, die find ich weder bei Vis­ta noch bei Linux.

Gut, die nega­ti­ve Pres­se, die Apple bereits kurz nach Ver­öf­fent­li­chung von Leo­pard erhal­ten hat ist unschön. Sol­che Sachen wie eine aus­ge­schal­te­te Fire­wall und dann noch eine undich­te, wenn sie aktiv ist, das darf heut­zu­ta­ge ein­fach nicht mehr pas­sie­ren. Für den Büro­ar­beits­platz spielt es kaum eine Rol­le, ist man doch im All­ge­mei­nen über einen Rou­ter samt Fire­wall mit dem Inter­net ver­bun­den. Wer aber mobil über UMTS/GRPS sur­fen möch­te, ist offen wie ein Scheu­nen­tor. Als Ver­gleich wur­de hier gern der net­te Win32Blaster her­an­ge­zo­gen, der mir damals so den einen oder ande­ren Euro mei­ner Kun­den in die Tasche gebracht hat, weil die infi­zier­ten Rech­ner stän­dig von selbst neu star­te­ten. Dan­ke ;-) Bis­her gibt es aber bis auf eini­ge weni­ge Pro­of-Of-Con­cept-Viren nix für Mac OS X. Die Gefahr also, dass Macs das glei­che wider­fährt ist latent gering. Was kei­ne Ent­schul­di­gung sein soll, aber Apple hat ja glück­li­cher­wei­se kei­ne drei Wochen spä­ter mit dem Update auf Mac OS X 10.5.1 reagiert und die­se Lücke (hof­fent­lich) gestopft. Wie­so die Fire­wall trotz­dem wei­ter­hin aus­bleibt, kein Ver­ständ­nis…

Ein c’t-Leser sprach in der Fol­ge­aus­ga­be das kom­plet­te Feh­len eines Hin­wei­ses auf das mobi­le Arbei­ten mit Mac OS X und des­sen Vor­zü­ge gegen­über Win­dows Vis­ta an. Mir fehl­te das ehr­lich gesagt auch. Wenn ich beden­ke, wie ange­nehm es sich mit mei­nem Power­Book G4 gear­bei­tet hat. Akku­be­schä­di­gung, nur weil das Teil bei lan­gem sta­tio­nä­ren Betrieb gesteckt war? Fehl­an­zei­ge. Ewig lan­ge Ein­schlaf-/Auf­wach­vor­gän­ge? Nö!

Ein wei­te­rer Leser kom­men­tier­te die Titel­sei­te “Mac statt Vis­ta? — War­um so vie­le umstei­gen” mit Rea­li­täts­fer­ne, da die Red­mon­der noch immer mit wei­tem Abstand Markt­füh­rer sein. Damit hat der gute Mann natür­lich voll­kom­men recht, umstei­gen tun trotz­dem ziem­lich vie­le der letz­ten Tage…

Der nächs­te Leser dank­te Apple für die “Ent­schleu­ni­gung” sei­nes Ver­hält­nis­ses zur Com­pu­ter­bran­che. Herr Mey­er bemän­gel­te das Fazit des Arti­kels, dass Mac-Usern eine eher sub­jek­ti­ve Blick­wei­se auf Win­dows zu eigen sei. Und genau die­sem The­ma möch­te ich mich nun wid­men.

Gera­de mein geschätz­ter Nach­bar, der Herr Bach­stein, wirft mir am lau­fen Ban­de vor, dass ich genau das sei, näm­lich sub­jek­tiv. Ich wür­de alles, was Apple macht gut­hei­ßen und gene­rell bei allem was aus Red­mond kommt laut “Buh” rufen. Zuge­ge­ben: ich find die Kla­mot­ten aus Cup­er­ti­no ein­fach geil, gar kei­ne Fra­ge. Ich steh auf das Design, ich steh auf die Soft­ware, den Work­flow. Und? Schlimm? Wor­auf ich nicht ste­he, sind lah­men­de Sys­te­me, unüber­sicht­li­che Anwen­dun­gen und Abstür­ze. Ups, das war ne ziem­lich kur­ze Über­lei­tung zu Win­dows. Na ja, wie ja bereits vor kur­zem geschrie­ben, habe ich mir einen fast kom­plett neu­en PC gekauft und auf die­sem Vis­ta 64 instal­liert. Anfangs war ich ja noch rela­tiv posi­tiv über­rascht von dem Sys­tem, die­ses Gefühl hat lei­der nach­ge­las­sen. Nach nicht mal fünf Wochen bin ich kurz davor, das Sys­tem neu auf­zu­set­zen. Der Betriebs­sys­tem­start dau­ert rund drei Minu­ten (mein iMac braucht nicht mal 30 Sekun­den), bis ich halb­wegs flüs­sig arbei­ten kann. Obwohl ich schon seit län­ge­rer Zeit nichts mehr instal­liert habe, beginnt Vis­ta mit­ten in mei­ner Arbeit oder bei einem Spiel wie ver­rückt auf der Fest­plat­te rum­zu­rö­deln. Voll­stän­dig uner­find­lich, ich wüss­te echt zu gern, was das Sys­tem da tut. Aber das soll ja alles mit dem Ser­vice Pack 1 abge­schal­tet wer­den. Oder doch nicht? Sieht nicht danach aus… Ich bin natür­lich nicht umhin gekom­men, mir auch mal die Kom­men­ta­re zu dem Arti­kel anzu­schau­en. Da bezich­ti­ge noch mal jemand die armen Mac-User der sub­jek­ti­ven Sicht­wei­se. Kom­men­ta­re wie “man kann Betriebs­sys­te­me nicht bench­mar­ken” oder “das ist ja nur ne Beta, das ist bestimmt in der Final nicht so” zeu­gen doch ein­deu­tig von einer nicht ganz objek­ti­ven Sicht­wei­se, oder?

Ich habe natür­lich auch mal ein wenig die Kom­men­ta­re zu Arti­keln, die die Schwach­stel­len in Mac OS X 10.5 behan­delt haben, beob­ach­tet und hier ein sehr sehr ähn­li­ches Ver­hal­ten fest­ge­stellt. Hier wird Apple vor­ge­wor­fen, schon nach drei Wochen das ers­te Updatepack her­aus­ge­bracht haben zu müs­sen. Oh mein Gott, wie kön­nen die nur? Das ist viel zu schnell, wir kön­nen nicht mehr auf dem Feh­ler rum­rei­ten. Scheis­se… Und die Feh­ler, die bis­her in Vis­ta auf­ge­taucht sind, waren sowie­so alle harm­los und Micro­soft hat fleis­sig nach­ge­bes­sert. Ja, unge­fähr 180 MB lang oder so, ne?

Na gut, ana­log hier­zu kann man sich auch Berich­te anschau­en, die Feh­ler in Linux behan­deln. Hier kom­men gleich die gan­zen Micro­soft-Freun­de an und hacken auf dem armen frei­en Sys­tem her­um. Wenn Berich­te über Feh­ler in Micro­soft-Sys­te­men auf­tau­chen, was ja nun auch nicht ganz sel­ten der Fall ist, kom­men die Pin­gu­in-Lieb­ha­ber aus ihren (laut Kli­schee) Kel­lern her­vor und hacken auf den Jungs aus Red­mond rum.

War­um ich das auf­füh­re? Weil es wit­zi­ger­wei­se gera­de die Mac-User sind, die sich hier in Zurück­hal­tung üben. Klar, auch von denen gibt es eini­ge, die gleich Amok lau­fen, wenn die heiß­ge­lieb­ten Fein­de ihre Keh­le dar­bie­ten, aber so mal im gro­ben und gan­zen sind es doch deut­lich weni­ger. OK, OK, natür­lich gibt es weni­ger Mac-User als Linux- oder Win­dows-Benut­zer. Dar­an liegt das…

Ich hab nun seit fünf Tagen mei­nen neu­en iMac, die­ses mal auch mit Leo­pard ;-) Und ich bin mehr als zufrie­den. Pro­ble­me hat­te ich bis­her gar kei­ne. Die­ser komi­sche Datei­über­tra­gungs­feh­ler wur­de ja wohl auch mit dem letz­ten Update beho­ben. Ich habe das Sys­tem in Rekord­zeit auf­ge­setzt (Betriebs­sys­tem­in­stal­la­ti­on hat nach Abwahl der gan­zen zusätz­li­chen Betriebs­sys­tem­spra­chen viel­leicht 25 Minu­ten gedau­ert) und mei­ne Daten rück­ge­si­chert. Womit ich zu einem wei­te­ren Vor­teil von Mac OS X (aber auch Linux/UNIX) kom­me. Alle (!) Daten, die ich brauch­te lagen in mei­nem selb­st­ei­ge­nen Benut­zer­ver­zeich­nis. Ich muss­te also nur das sichern. Und wie hab ich das gemacht? Ganz ein­fach, ich hab beim Start mei­nes Power­Book ein­fach die Tas­te T auf der Tas­ta­tur gedrückt gehal­ten, um in den Fire­wire-Modus des Geräts zu wech­seln. Sekun­den spä­ter hat mein iMac einen Fire­wire-Daten­trä­ger erkannt und ich konn­te mit dem Kopie­ren begin­nen. Mit 800 MBit (100 MByte) pro Sekun­de, wohl­ge­merkt. Gut, so viel hat die Plat­te mei­nes Power­Book dann wohl nicht her­ge­ge­ben, aber die rund 40 GB Nutz­da­ten waren in unter einer hal­ben Stun­de auf der Fest­plat­te mei­nes iMac. Und jetzt kommt das tolls­te: alle Pro­gram­me konn­ten sofort (!) auf die Daten, die vom Power­Book kamen, sofort zugrei­fen. Mei­ne Medi­en­bi­blio­thek in iTu­nes war sofort da, mei­ne Mail­kon­ten inklu­si­ve Ein­stel­lun­gen, alles da, die Lese­zei­chen von Safa­ri (trotz Ver­si­ons­sprung von 2.0 auf 3.0), auch die waren da. Text­Edit kann mitt­ler­wei­le sogar das ODT-For­mat lesen. Ich habe somit kaum über eine Stun­de gebraucht, um das Gerät kom­plett neu zu instal­lie­ren und mei­ne gesam­ten Daten von dem ande­ren Mac auf den neu­en zu kopie­ren. Wohl­ge­merkt habe ich dafür nicht den Assis­ten­ten von Apple benutzt. Per Hand… Hab ich schon erwähnt, dass ich die Pro­gram­me, die ich behal­ten woll­te, nicht instal­lie­ren muss­te? Drag’n’Drop, fer­tig… noch gege­be­nen­falls die Anwen­dungs­ein­stel­lun­gen aus dem Ver­zeich­nis ~/Library/Application Sup­port kopiert, Pro­gramm läuft, wie vor­her…

Bleibt noch zu erwäh­nen, dass trotz “gera­de mal” 2 GB RAM die Maschi­ne wirk­lich rennt. Sol­che Fest­plat­ten­herz­at­ta­cken wie unter Vis­ta habe ich bis­her noch nicht erlebt. Das Sys­tem bleibt immer äußerst respon­si­ble. Selbst, wenn ich in Par­al­lels Vis­ta in einer vir­tu­el­len Maschi­ne mit 1 GB RAM (also der Hälf­te des Gesamt-RAMs) lau­fen las­se, kann ich noch ver­nünf­tig mit dem Sys­tem arbei­ten. Wenn ich dage­gen mal an mei­nen PC mit stol­zen 4 GB RAM den­ke. Gut, das ist eher hard­ware­be­zo­gen, aber der Rech­ner ist flüs­ter­lei­se, trotz nicht ganz schwa­cher Kom­po­nen­ten. Einen direk­ten Per­for­mance­ver­gleich kann ich auf­grund des Vis­ta-Ratings zie­hen. Der Spei­cher mei­nes iMac ist lang­sa­mer ange­bun­den als der des PC, dafür ist die Fest­plat­te um 0,1 schnel­ler. Na gut, also die Sys­te­me sind unge­fähr gleich­wer­tig (der Athlon64 X2 4.600+ wird ja auch mit 2,4 GHz je Kern getak­tet) und trotz­dem “flutscht” Mac OS X ein­fach deut­lich mehr. Auf­grund der der­zeit äußerst gerin­gen RAM-Prei­se könn­te man sicher­lich argu­men­tie­ren, dass der RAM-Bedarf von Vis­ta nicht so das Pro­blem sei, aber hat der Argu­men­tie­ren­de auch an die Note­book-Benut­zer gedacht? Note­book­spei­cher ist bei 2 GB-Modu­len eine gan­ze Ecke teu­rer. Ich woll­te ja mei­nem iMac zuerst auch 4 GB spen­die­ren, als ich dann aber sehen muss­te, dass 2 GB-Modu­le rund das Vier­fa­che von 1 GB-Modu­len (DDRII, 667/800 MHz) kos­ten, hab ich mich erst mal ument­schie­den. Um fest­zu­stel­len, dass ich mit 2 GB unter Leo­pard voll­kom­men ver­sorgt bin.

Na ja, Tenor die­ses Arti­kels soll eigent­lich sein, dass jedes Betriebs­sys­tem sei­ne Vor- und Nach­tei­le mit sich bringt. Win­dows hat den ganz ein­deu­ti­gen Vor­teil, dass es nun mal wirk­lich jeden Sch**** an Soft­ware gibt. Und natür­lich, nicht zu ver­ges­sen, die Spie­le. Wer spie­len möch­te hat gar kei­ne Wahl, er braucht Win­dows ein­fach. Linux (hab mir vor weni­gen Tagen erst Ubun­tu 7.10 ange­se­hen und war begeis­tert) ist toll, weil es so modu­lar ist, man kann es, die ent­spre­chen­den Kennt­nis­se, sehr sehr gut an sei­ne eige­nen Bedürf­nis­se anpas­sen, dafür gibt’s lei­der vie­le kom­mer­zi­el­le Soft­ware nicht. Wor­aus die­se Tat­sa­che resul­tiert soll hier aber nicht dis­ku­tiert wer­den. Ja, und Mac OS? Ich mag das Sys­tem ein­fach. Es fühlt sich so zusam­men­ge­hö­rig an. Man merkt, dass sich die Inge­nieu­re bei Apple wirk­lich Gedan­ken gemacht haben. Die Anwen­dun­gen grei­fen ein­fach total toll inein­an­der über. Neu bei­spiels­wei­se ist, wenn ich in Mail eine Notiz oder Auf­ga­be hin­ter­le­ge und in die­ser ein Datum zu fin­den ist, wird die­se in iCal über­nom­men. Es ist also qua­si ein kom­plet­ter PIM, der ein­fach nur aus meh­re­ren Kom­po­nen­ten besteht. Adress­buch, Kalen­der, Mail­cli­ent, aber alle kom­mu­ni­zie­ren mit­ein­an­der. Na ja, egal. Ich per­sön­lich möch­te auf jeden Fall nie wie­der mit Win­dows wirk­lich pro­duk­tiv arbei­ten müs­sen. Mac OS X fühlt sich ein­fach so viel bes­ser an als Win­dows. Auch wenn ich zuge­ben muss, dass ich mich noch immer unter Win­dows zuhau­se füh­le. Aber rich­tig gemüt­lich find ich es eigent­lich wirk­lich nur unter OS X. Und wenn auch Leo­pard kei­ne so rie­sen­gro­ßen Ver­bes­se­run­gen mit sich gebracht hat (sie­he Apple-Wer­bung: 300 neue Fea­tures. Wo?), das was geän­dert wur­de emp­fin­de ich per­sön­lich als sinn­voll. Vie­le sinn­vol­le Klei­nig­kei­ten halt.

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