Ich wollte Android mal wirklich ausprobieren

Und das tat ich dann auch. Mir stand als Fir­men­te­le­fon ein Black­ber­ry Z10 zur Ver­fü­gung. Das Gerät ging mir eigent­lich den gan­zen Tag nur auf die Ner­ven. Die, aus mei­ner Sicht, umständ­li­che Bedie­nung war die Haupt­schul­di­ge Ursa­che. Tech­nisch war an dem Gerät sonst nichts aus­zu­set­zen, aber ich woll­te mit der Bedie­nung ein­fach nicht zurecht kom­men. Ich habe es rund neun Mona­te lang wirk­lich pro­biert, man kann mir also nicht vor­wer­fen, sofort die Flin­te ins Korn gewor­fen zu haben.

Da ich mich pri­vat mit der Andro­id-Ent­wick­lung befas­sen und sowie­so mal inten­siv ein Andro­id-Gerät aus­pro­bie­ren woll­te, kauf­te ich mir auf eige­ne Kap­pe einen Androi­den. Mei­ne Anfor­de­run­gen an das Gerät waren ein gerin­ger Preis, immer­hin ist das ja immer eines der Haupt­ar­gu­men­te pro Andro­id, und ein mög­lichst unver­än­der­tes Andro­id-Betriebs­sys­tem. Moto­ro­la bot mir bei­des in Kom­bi­na­ti­on in Form des Moto­ro­la Moto E an. Für gera­de mal 99 € soll­te ich ein aktu­el­les Smart­pho­ne mit 4,3″-Display und Andro­id 4.4.4 bekom­men. Gese­hen, bestellt. Auf den ers­ten Blick war ich mehr als posi­tiv über­rascht dar­über, was mir hier für 99 € gebo­ten wird. Im Ver­lau­fe der kom­men­den Wochen stell­te sich dann aber lei­der her­aus, dass 4 GB Mas­sen­spei­cher und 1 GB RAM für die täg­li­che Arbeit doch etwas knapp bemes­sen sind. Nach nicht mal einem Dut­zend instal­lier­ter Apps war der inter­ne Spei­cher voll, und dank der Anwen­dun­gen, die ich für den Fir­men­be­trieb brau­che, genüg­te auch der Arbeits­spei­cher (schein­bar) nicht. Das Sys­tem ruckel­te und zuckel­te an allen Ecken und Enden. Das frü­her viel gerühm­te Fea­ture von Andro­id, dass man Apps und Daten ein­fach auf eine güns­tig dazu gekauf­te Micro-SD kopie­ren konn­te, wur­de mei­nen Recher­chen nach mit Andro­id 4.0 ent­fernt. Nur mit ger­oo­te­ten, also „geknack­ten“ Tele­fo­nen ist dies nach wie vor mög­lich. Scha­de, so blieb mei­ne 16 GB gro­ße Micro-SD fast voll­stän­dig leer. Den­noch, für Ein­stei­ger hal­te ich das Tele­fon für sehr geeig­net, zumal Moto­ro­la auch ein Update auf Andro­id 5 Lol­li­pop ver­spro­chen hat. Das Release scheint aller­dings auf sich war­ten zu las­sen, vor über zwei Mona­ten hat Goog­le Ver­si­on 5.0 nun ver­öf­fent­licht. Auf dem Moto E ist lei­der nach wie vor kein Update in Sicht. Gebt mal bit­te Gas, Moto­ro­la ;-).

Da das Moto E also für mei­ne Ansprü­che etwas unter­di­men­sio­niert war, muss­te etwas grö­ße­res her. Hier bot sich das Moto­ro­la Moto G zwei­te Genera­ti­on an. Aus­ge­stat­tet mit einem 5″-Display, 8 GB inter­nem Spei­cher, aber lei­der eben­falls nur 1 GB RAM, erschien mir das schon eher nach dem Gerät, das ich such­te. Und für einen Kampf­preis von gera­de ein­mal 171 € über­leg­te ich nicht lan­ge. Der Ein­druck, den ich auf dem Moto E hat­te, dass 1 GB RAM nicht genügt, erwies sich als unwahr. Ich ver­mu­te mitt­ler­wei­le, dass die CPU in dem Moto E ein­fach zu schwach­brüs­tig war. Das Moto G kommt zwar gele­gent­lich auch mal ins Schwit­zen, ist aber ins­ge­samt deut­lich per­for­man­ter. Nur sel­ten bin ich von dem Gerät genervt, weil es mich meh­re­re Sekun­den war­ten lässt. Der inter­ne Spei­cher von 8 GB genügt eben­falls. Ein net­tes Zusatz­fea­ture: das Tele­fon ist Dual-SIM-fähig. Ich habe also neben mei­ner Fir­men­kar­te noch die Mög­lich­keit, eine wei­te­re SIM-Kar­te in das Gerät zu ste­cken. Ich per­sön­lich brau­che das bis­her nicht, aber viel­leicht kommt das ja noch … Auch für die­ses Gerät hat Moto­ro­la ein „zeit­na­hes“ Update auf Lol­li­pop ver­spro­chen. Angeb­lich wird der­zeit in Polen getes­tet, in Deutsch­land gibt es das Update lei­der immer noch nicht.

Die Akku­lauf­zeit bei­der Gerä­te war übri­gens über­ra­schend gut, in der Regel hat­te ich am Ende eines nor­ma­len Tages noch 40 % oder mehr Akku­la­dung übrig.

Nun zur Soft­ware: die viel­ge­rühm­ten Anpas­sungs­fä­hig­kei­ten von Andro­id schau­te ich mir zuerst an. Ich tes­te­te also diver­se Laun­cher, instal­lier­te Icon-Packs, Noti­fier, Lock­screens und wie sie nicht alle hei­ßen. Eine net­te Mög­lich­keit, sei­ne Frei­zeit zu ver­brin­gen. Nach geschätz­ten vier Stun­den hat­te ich mich dann auf eine Kom­bi­na­ti­on ein­ge­schos­sen: Yahoo Avia­te, die Moons­hi­ne-Icons, AcDis­play als Lock­screen (ein Deri­va­te von Moto­ro­las Moto-X-exklu­si­vem Active­Dis­play) sowie Heads-up noti­fi­ca­ti­ons. Als alter­na­ti­ve Tas­ta­tur hol­te ich mir die ziem­lich bekann­te Swift­Key-Tas­ta­tur. So macht die Bedie­nung von Andro­id tat­säch­lich Spaß, was ich vom Werks-Andro­id nur begrenzt behaup­ten konn­te. Der Goog­le-eige­ne Laun­cher war zwar auch nicht schlecht, der von Yahoo gefällt mir aber deut­lich bes­ser. Das voll­stän­di­ge Feh­len eines ver­nünf­ti­gen Lock-Screens und das Noti­fi­ca­ti­on-Ver­hal­ten von Andro­id 4.4 mach­ten auf mich als iOS-8-User einen ziem­lich merk­wür­di­gen Ein­druck. Auch die Goog­le-eige­ne Tas­ta­tur ist nicht son­der­lich kom­for­ta­bel. Aber so geht es. Ich bin trotz­dem schon unheim­lich auf Andro­id 5.0 gespannt, da ich eigent­lich lie­ber mit Bord­mit­teln von Betriebs­sys­te­men arbei­te, da „Mods“ erfah­rungs­ge­mäß auch Pro­ble­me mit sich brin­gen. Viel­leicht schafft Goog­le es ja, dass man auch im Aus­lie­fe­rungs­zu­stand ver­nünf­tig damit arbei­ten kann.

Es gibt trotz­dem noch eini­ge Din­ge, die mich echt stö­ren. Die für den Fir­men­be­trieb ein­ge­setz­te PIM-Lösung kann zwar Noti­fi­ca­ti­ons ver­sen­den, scheint aber kei­ne Bad­ges zu unter­stüt­zen. Ich sehe also an der E‑Mail-Kom­po­nen­te nie, wie vie­le unge­le­se­ne E‑Mails ich habe. Sel­bi­ges gilt für die Kalen­der­kom­po­nen­te. Viel­leicht nicht direkt die Schuld von Andro­id, ner­vig ist es trotz­dem. Auf iOS-Gerä­ten lässt sich die von uns ver­wen­de­te Lösung direkt in die nati­ven Apps (Mail, Kon­tak­te, etc.) inte­grie­ren. Das scheint mit dem ach-so-offe­nen Andro­id aus irgend­ei­nem Grun­de nicht zu gehen, ver­mu­te ich mal.

Dann ist es so, dass ich eini­ge Apps tat­säch­lich auf die SD-Kar­te ver­schie­ben konn­te. Ich glau­be, dass es aus­schließ­lich Apps aus dem Ama­zon-App-Store waren, kann es aber auch nicht beschwö­ren. Es geht aber defi­ni­tiv nicht mit allen Apps von Ama­zon. Die Logik dahin­ter erschließt sich mir nicht. Und das mir als IT-Pro­fi, der seit rund 16 Jah­ren in dem Bereich tätig ist. Ich fra­ge mich, was ein Laie davon hal­ten wür­de …

Als ich über die Unter­schie­de zwi­schen ART und Dal­vik las und erfuhr, wie man umschal­tet, woll­te ich das doch gleich mal aus­pro­bie­ren. Das funk­tio­nier­te auch pro­blem­frei. Läs­tig ist aber, dass das Opti­mie­ren der Apps jetzt bei jedem Neu­start erfolgt. Den Sinn dahin­ter ver­ste­he ich nicht.

Mei­ne Ver­su­che, Cal­DAV-Kalen­der und Card­DAV-Adress­bü­cher anzu­bin­den, schei­ter­ten. Dafür ist eine Zusatz­soft­ware erfor­der­lich. Das ach-so-offe­ne Andro­id erschwert einem hier den Weg, offe­ne Pro­to­kol­le für die­se Din­ge zu ver­wen­den. Mut­maß­lich, um die Goog­le-eige­nen Diens­te zu pushen. So muss­ten mei­ne own­Cloud-Anbin­dun­gen über Zusatz­soft­ware erle­digt wer­den.

Immer wie­der nach dem Ent­sper­ren oder auch einem Neu­start habe ich Absturz­mel­dun­gen auf dem Bild­schirm, bei denen ich mich fra­ge, wie­so mir die über­haupt ein­ge­blen­det wer­den. Wenn im Hin­ter­grund Diens­te lau­fen, die abstür­zen, wäh­rend ich das Tele­fon nicht ver­wen­de, dann sol­len die doch ein­fach neu­ge­star­tet wer­den. Das inter­es­siert mich nach dem Ent­sper­ren doch kein Stück.

Fazit: Andro­id ist nicht schlecht, aber das War­ten auf ein Update, das mitt­ler­wei­le zwei Mona­te am Markt ist, nervt mich jetzt schon. Ob ich 5.1 bekom­men wer­de, weiß ich jetzt noch nicht. Die Absturz­mel­dun­gen erge­ben kei­nen Sinn und das Ver­hal­ten bzgl. der SD-Kar­te ist ein­fach nur inkon­sis­tent. Ich wer­de die­ses Tele­fon nun noch eini­ge Mona­te im Ein­satz las­sen. Im Gro­ben und Gan­zen kann ich recht gut damit arbei­ten. Den­noch ver­ste­he ich nicht, wie sich eine so gro­ße Fan­ge­mein­de um das Betriebs­sys­tem her­um hat auf­bau­en kön­nen.

iOS mag zwar recht geschlos­sen sein, dafür aber funk­tio­niert es (in der Regel) ein­fach. Die Inkon­sis­ten­zen, die ich auf mei­nem Andro­id-Gerät erle­ben muss, habe ich auf mei­nem iPho­ne nicht. Wer ger­ne bas­telt, ist mit Andro­id recht gut bera­ten. Bei mir ebb­te der Bas­tel­trieb aber nach weni­gen Tagen ab. Ich habe jetzt eine Kom­bi­na­ti­on, mit der ich pro­duk­tiv arbei­ten kann. Bevor ich an die­ser wie­der etwas ändern wer­de, wer­den sicher­lich eini­ge Mona­te ins Land gehen. Ob das nötig ist, mag man sich jetzt fra­gen. Mei­ne Ant­wort dar­auf ist ein bestimm­tes Jein. Man kann es, also wird man es ver­mut­lich auch tun, aber ich wäre auch nicht böse, wenn es nicht gin­ge …

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