Geschmacksfrage


Da der­zeit mal wie­der Semes­ter­fe­ri­en sind, ver­die­ne ich mir ein paar Euro dazu, in dem ich in Braun­schweig dozie­re. Der­zeit betreue ich einen Kurs mit dem span­nen­den Namen Netz 1, der haupt­säch­lich dar­in besteht, ein klei­nes Ser­ver-Cli­ent-Netz­werk mit Micro­soft-Betriebs­sys­te­men zu imple­men­tie­ren und zu war­ten. Kei­ne schwie­ri­ge Auf­ga­be, dar­um soll es aber hier auch nicht gehen.

Wie üblich in Win­dows-Krei­sen, ent­bren­nen immer wie­der hef­tigs­te Dis­kus­sio­nen dar­um, wel­ches das der­zeit bes­te Win­dows ist. Zwei mei­ner (vier) Teil­neh­mer stim­men ein­deu­tig für Win­dows XP, einer von denen nutzt pri­vat sogar noch Win­dows 2000. Glaubt man das? Ein neun Jah­re altes Betriebs­sys­tem. Ich mei­ne, lie­be Leser, hät­tet ihr im Jah­re 2004 noch Win­dows 95 genutzt? Oder anno 2000 Win­dows 3.0? Ver­mut­lich eher nicht. Gut, direkt ver­glei­chen kann man die­se Zustän­de nicht, zuge­ge­ben. Aber trotz­dem, ich wür­de nie im Leben heut­zu­ta­ge noch ein Betriebs­sys­tem nut­zen, das mitt­ler­wei­le fast 10 Jah­re auf dem Buckel hat, außer, ich wer­de dazu gezwun­gen. Die­se bei­den Teil­neh­mer nervt im Übri­gen die ach-so-bun­te “Teletubby-Optik” von Win­dows XP, des­we­gen ist deren ers­te Amts­hand­lung nach einer fri­schen Win­dows-XP-Instal­la­ti­on, das “Design” auf das klas­si­sche Lay­out umzu­stel­len. Hin­ter­grund­bil­der sind bei den bei­den auch ver­pönt. Ich habe eine Zeit lang ähn­lich gehan­delt, zu Zei­ten, in denen ein Stan­dard-PC weit unter einem Giga­hertz Takt und um die 256 MB RAM hat­te. Da war das auch sinn­voll, da die “bun­te” XP-Optik und das Hin­ter­grund­bild unnö­tig RAM gefres­sen haben. In Zei­ten von einer Stan­dard-Aus­stat­tung von min­des­tens zwei Giga­byte RAM soll­te das aber als Grund nicht mehr durch­ge­hen. Es ist den bei­den ein­fach zu bunt. Das Betriebs­sys­tem soll funk­tio­nie­ren und nicht gut aus­se­hen. Da frag ich mich doch, wie­so die bei­den Win­dows-Sys­te­me nut­zen *scnr*. Auch bei Win­dows Vis­ta grei­fen die bei­den zum klas­si­schen Lay­out. Als ich dann vor weni­gen Tage demo­hal­ber die Beta 1 von Win­dows 7 auf mei­nem Dozen­ten-PC instal­lier­te, kam gleich als ers­te Fra­ge von den bei­den auf, wie man das Lay­out wie­der auf die klas­si­sche Vari­an­te umstel­len kön­ne. Also klas­si­sche “Farb­ge­stal­tung” (sprich: alles grau oder, wie im Fal­le eines mei­ner Teil­neh­mer, ein häss­li­cher Farb­ver­lauf in den Fens­ter­ti­teln) und natür­lich auch das klas­si­sche Start­me­nü, das ich schon immer gehasst habe. Das zwei­spal­ti­ge Start­me­nü von Win­dows XP und grö­ßer ist zwar auch nicht der Weis­heit letz­ter Schluss, aber immer­hin deut­lich bes­ser als das alte, ein­spal­ti­ge. Die neue “Start­leis­te” von Win­dows 7 fin­de ich recht gelun­gen, die Grund­idee hat Micro­soft sich dort erfolg­reich bei Apple abge­schaut. Aber auch das stieß bei den genann­ten Teil­neh­mern nicht auf Gegen­lie­be, sie woll­ten das sofort wie­der deak­ti­viert sehen.

Da fra­ge ich mich doch ernst­haft, wie­so eini­ge Men­schen so sehr auf das Alte behar­ren. Gera­de ITler soll­ten genau das nicht machen, unser Berufs­feld ist wohl mit dem stärks­ten Wan­del über­haupt unter­wor­fen und jeder, der ernst­haft erwägt, sich beruf­lich in der IT zu bewe­gen, soll­te sich nicht gegen Neue­run­gen sper­ren. Tut er es doch, ist er ganz schnell raus. Und ehr­lich gesagt bin ich Micro­soft dank­bar, dass eine Umstel­lung auf die klas­si­schen Vari­an­ten augen­schein­lich nicht mehr mög­lich ist. Viel­leicht habe ich es auch ein­fach nur über­se­hen. Aber wenn nicht: Dan­ke Micro­soft! Es wur­de defi­ni­tiv Zeit, dass die mitt­ler­wei­le 14 Jah­re alte Benut­zer­schnitt­stel­le aus­ran­giert wird. Ja, seit 14 Jah­ren exis­tiert die so genann­te klas­si­sche Vari­an­te mitt­ler­wei­le, näm­lich seit Win­dows 95. Ich mei­ne, ich wür­de mir heut­zu­ta­ge frei­wil­lig auch kei­ne VHS-Kas­set­ten mehr anschau­en. Ihr etwa?

Auch wenn es nicht ganz zum The­ma passt: ein ähn­li­ches Gespräch hat­te ich kürz­lich erst mit zwei Kom­mi­li­to­nen, die eben­falls um nichts in der Welt ihr Win­dows XP ver­las­sen wol­len. Als ich dann zur Spra­che brach­te, wie nerv­tö­tend ich es fin­de, dass man unter Win­dows Stan­dard­soft­ware wie einen PDF-Rea­der und ‑Dru­cker, einen Mes­sen­ger und ein Office-Paket erst auf­wän­dig nach­in­stal­lie­ren muss, sag­ten die bei­den, dass sie es lie­ber hät­ten, wenn sie ein mög­lichst nack­tes Betriebs­sys­tem nach der Instal­la­ti­on vor­fin­den wür­den. Obwohl sie danach genau die genann­ten Anwen­dun­gen sofort nach­in­stal­lie­ren. Ergibt das Sinn? Die genann­ten Anwen­dun­gen braucht ja nun fast jeder Anwen­der­typ, oder? Auch ein ver­nünf­ti­ger Brow­ser (der IE 7 ist _nicht_ ver­nünf­tig) fehlt dem Sys­tem. Bei Win­dows Vis­ta sieht das genau so aus, zuge­ge­ben, auch bei Win­dows 7 noch. Aber das war ja der Punkt: wenn ich ein frisch instal­lier­tes Ubun­tu oder Mac OS X neh­me, da habe ich fast alles, auch wenn das Office-Paket unter OS X nach 30 Tagen sei­nen Dienst ein­stellt, wenn man nicht die 79,- EUR an Apple dafür zahlt. Win­dows XP fehlt es aber noch an wei­te­ren ele­men­ta­ren Anwen­dun­gen: einer Bild­ver­wal­tung bei­spiels­wei­se. Wer schießt heut­zu­ta­ge kei­ne Fotos mit der Digi­tal­ka­me­ra? Und der Import­as­sis­tent unter XP ist kaum mehr als eine schlech­te Hil­fe. Vie­le Grün­de, die mich dazu ver­an­las­sen, heut­zu­ta­ge kein Win­dows XP mehr zu nut­zen. Das Sys­tem ist fast acht Jah­re alt, wer will das schon noch? Klar, es funk­tio­niert, aber mehr eben auch nicht. Ich den­ke, dass Win­dows XP sei­ne Daseins­be­rech­ti­gung abseits der Net­books mitt­ler­wei­le wirk­lich ver­lo­ren hat. Wenn Win­dows 7 in der fina­len Ver­si­on erscheint, wird Win­dows XP aber auch in die­sem Markt­seg­ment mut­maß­lich und hof­fent­lich end­lich vom Markt verschwinden.

By the way: vor eini­ger Zeit hat ein Redak­teur von Zoomer.de sei­ne ers­ten Erfah­run­gen mit Win­dows Vis­ta publi­ziert. Da die Kom­men­ta­re auch dort sich über­schlu­gen, sah ich mich “genö­tigt”, ein paar Sachen klar­zu­stel­len, da vie­le der dort anwe­sen­den Kom­men­ta­to­ren wenn über­haupt mit Halb­wis­sen glänz­ten. Wit­zi­ger­wei­se war mein Kom­men­tar einen Tag spä­ter Top-The­ma. Um unnö­ti­ge Red­un­danz zu ver­mei­den, gehe ich nicht wei­ter auf die­sen Kom­men­tar ein, lest ein­fach selbst 😉

,

Eine Antwort zu “Geschmacksfrage”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.