Austeilen? Ja, bitte. Einstecken? Nein, danke.


Die­ses Ver­hal­ten fällt mir im Web, aber auch außer­halb, immer häu­fi­ger auf. Aus­tei­len kön­nen die meis­ten sehr gut, wenn dann aber mal jemand zurück­feu­ert, geht gleich das gro­ße Geh­eu­le los.

Man schaue sich nur mal in diver­sen Foren, den App-Store-Bewer­tun­gen oder auch bei Twit­ter um. Vie­le sind äußerst schell mit Belei­di­gun­gen, ver­nich­ten­den Kri­ti­ken und unfreund­li­chen Wor­ten aller Art dabei. Klar, Kri­tik wird viel lie­ber geäu­ßert als Lob, da man sei­nem Ärger irgend­wie Luft machen muss. Kann ich ja auch ver­ste­hen und ken­ne das auch von mir selbst. Aber wenn ich mir mal anschaue, was die­se Analpha­be­ten (sor­ry) im App Store von sich geben und einer Soft­ware 1 von 5 Ster­nen geben, weil ihnen ein Detail nicht passt, da hört die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ein­fach auf. Oder Anbie­ter von Soft- oder Hard­ware als unfä­hig hin­zu­stel­len, nur, weil deren neu­es­tes Pro­dukt einen ner­vi­gen Bug auf­weist. Bei einem Groß­teil der Kri­ti­ker bin ich mir sicher, dass die nicht mal eine for-Schlei­fe kor­rekt auf­bau­en oder ihre Schnür­sen­kel rich­tig zuma­chen kön­nen, ohne, dass Mami hilft. Ent­schul­digt die Pole­mik, aber das geht stre­cken­wei­se gar nicht.

Der Grund für die­sen Arti­kel ist unter ande­rem, dass ich mich, vie­le wis­sen das von mir, häu­fig nicht zurück­hal­ten kann, wenn jemand am lau­fen­den Ban­de Recht­schreib­feh­ler pro­du­ziert oder gro­ben Unfug von sich gibt. Recht­schreib­feh­ler kor­ri­gie­re ich gern mit einem klei­nen Kom­men­tar. Als Reak­ti­on gibt es eigent­lich nur zwei Gat­tun­gen: Ableh­nung (Klug­scheis­ser, was willst du von mir?, ist doch egal, wir sind hier im Inter­net) oder Dank. Ich per­sön­lich freue mich über jede Kor­rek­tur und neh­me es als das, was es ist: eine neu­tra­le Kor­rek­tur eines Feh­lers, den ich gemacht habe. Die­se Kor­rek­tur mer­ke ich mir dann hof­fent­lich und mache den Feh­ler nie wie­der. Aber vie­le Leu­te füh­len sich gleich per­sön­lich ange­grif­fen und sind ein­ge­schnappt oder bele­di­gen mich. Ande­re wie­der­um sehen den Feh­ler zwar ein, erklä­ren ihn aber als unwich­tig und ver­ste­hen nicht, wie­so sie etwas dage­gen tun soll­ten. Und dafür fehlt mir wirk­lich jeg­li­ches Ver­ständ­nis. Wenn jemand ein so gro­ßes Ego hat, dass er kei­ne Kri­tik an sich zulässt, haben die Eltern bei der Erzie­hung halt was falsch gemacht aber wie­so um alles in der Welt behaup­tet jemand von einem Feh­ler, den er leicht abstel­len könn­te, dass er egal sei. Oder, noch schö­ner, dass es im Inter­net ja egal sei, wie man schreibt.

Ich stel­le mal die The­se auf, dass man, wenn man sich erst dar­an gewöhnt hat, dass man im Inter­net kreuz und quer, ohne Punkt und Kom­ma und ohne jeg­li­che Feh­ler­kor­rek­tur schrei­ben kann, dies irgend­wann unbe­wusst auch in Schrift­stü­cken macht, in denen es viel­leicht nicht ganz so unwich­tig ist. So erstaunt es mich immer wie­der, wie vie­le Hoch­schul­ab­sol­ven­ten kein kor­rek­tes Deutsch schrei­ben kön­nen. Ich mei­ne, die haben eine Bache­lor- oder Diplom­ar­beit abge­ben, ein schrift­li­ches Exam able­gen oder gar eine Dis­ser­ta­ti­on anfer­ti­gen müs­sen. Haben die bei deren Kor­rek­tur die Arbeit an jemand Drit­ten abge­ge­ben? Wenn ich mich mal an mei­ne Vor­le­sungs­zeit zurück erin­ne­re, gab es die­ses Phä­no­men auch bei Pro­fes­so­ren und Ange­stell­ten. Die Pro­fes­so­ren hat­ten, bis auf eine oder zwei Aus­nah­men, eine tadel­lo­se Recht­schrei­bung. Die Ange­stell­ten, die „nur“ ein Diplom an ihrer Wand hän­gen haben aber hat­ten häu­fig eine voll­stän­dig kata­stro­pha­le Recht­schrei­bung. Nicht alle, aber doch recht viele.

Ich schwei­fe ab. Ich habe das Gefühl, dass in unse­ren Schu­len viel zu wenig auf Recht­schrei­bung geach­tet wird. Wenn ich mir anschaue, wie vie­le Recht­schreib­feh­ler die Genera­ti­on so macht, die aktu­ell um die 15 Jah­re alt ist, stel­len sich mir alle Nacken­haa­re auf. Von Punk­tua­ti­on scheint die­se Genera­ti­on auch noch nie etwas gehört zu haben. Da wer­den 20 Sät­ze ohne Punkt und Kom­ma anein­an­der gereiht und erwar­tet, dass das jeder ver­steht. Sagen die Leh­rer denn nichts, wenn die­ses kata­stro­pha­le Schrift­bild in Klau­su­ren auf­taucht? Wäre ich Leh­rer, wür­den die­se Schü­ler die­se Schrift­stü­cke mit einer dicken roten 6 dar­un­ter zurück erhalten. 

All mei­ner Lie­be zum Inter­net zum Trotz gebe ich dem Inter­net wenigs­tens eine Teil­schuld an die­sem Phä­no­men. Der Chat (via ICQ oder sons­ti­gem) sorgt bei vie­len dafür, dass sie sämt­li­che Schrift­re­geln ver­ges­sen, ihr Gehirn abschal­ten und ein­fach drauf losschreiben.


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