Ich wollte auch endlich mal mitreden und nicht nur aus der Ferne ein Netbook betrachtet haben. Ich habe mir also ein Samsung N130 organisiert um beurteilen zu können, ob die vielen (Vor-)Urteile in Sachen Netbook wirklich zutreffend sind. Ich wollte prüfen, ob man mit einem Netbook tatsächlich arbeiten kann, oder ob es, wie meine bisherige Meinung lautet, wirklich nur dafür gut ist, mal eine Website aufzurufen oder eine E-Mail zu schreiben.
Das Samsung N130 kostet derzeit rund 240,- €, gehört also zu den günstigeren Geräten dieser Klasse. Die Hardwareausstattung liegt im normalen Bereich mit 1 GB RAM, einer 160 GB großen Festplatte und einem Intel Atom N270 mit 1,6 GHz, Bluetooth ist leider nicht an Bord, dafür befindet sich aber eine Webcam im Displayrahmen. All dies verspricht natürlich keine Höchstleistung, aber dafür bekommt man ein äußerst transportables Gerät mit langer Akkulaufzeit und wenig Platzbedarf.
Ich habe das Gerät also ausgepackt und den Akku erst mal durchgeladen. Dann ging es schon gut los: ich habe den Schalter zum Einschalten des Geräts nicht gefunden. Dieser befindet sich an der Vorderseite des Geräts und wird nicht ausgezeichnet durch farbliche Hervorhebung oder einen Sticker, der darauf hinweisen könnte. Es ist kein klassischer Taster, wie man ihn erwarten würde, sondern ein Schieber, wie man ihn von Notebookakkufächern oder WLAN-/Bluetooth-Schaltern an Notebooks kennt.
Vorinstalliert ist Windows 7 Starter Edition, welches nach dem Erststart glatt, noch bevor irgendwelche Benutzereingaben stattfanden einen Neustart benötigte. Nach dem ersten Neustart, vier Minuten sind bis hierhin bereits vergangen, fragte das Windows-7-Setup einige Benutzerdaten wie Name und Kennwort ab und bat um einen WLAN-Schlüssel. Nachdem weitere drei Minuten vergangen waren (also mitterweile rund sieben davon) startete der sog. Chaininstaller, der eine Reihe von Setups durchführte. Dieser Vorgang dauerte weit über eine Stunde, während der das System keinerlei Rückmeldung über die verbleibende Restzeit ausgab. Aus meiner Sicht, und abgesehen von der Zeit, ein absolutes No-Go. Gerade deswegen, weil vielleicht nicht jeder Benutzer diese Anwendungen auch haben möchte. Negativ aufgefallen ist auch die Mischung der Sprachen beim Setup, hier sind englische und deutsche Texte auf meinem Bildschirm aufgetaucht. Nach über einer Stunde musste man dann noch einen Partitionierungsvorschlag abgeben (ich habe hier den Standardwert verwendet) und das Gerät erneut neu starten. Bis nach diesem Neustart sind satte 1:32 Stunden vergangen. Vorgefunden habe ich nach erfolgreicher Installation den bereits veralteten Adobe Reader 9.1 (aktuell ist 9.3), eine Versuchsversion des Microsoft Office 2007 Home and Student, die Samsung-eigene Software AnyPC, Cyberlink YouCam, McAfee-Virenscanner und noch einige Systempflegetools von Samsung. Fehlen durfte natürlich auch nicht ein Spielepaket namens “Samsung GamePack” mit einigen mehr oder minder witzigen Spielchen für zwischendurch. Nach nun also mittlerweile über 1,5 Stunden durfte erst mal das Samsung-Tool “Samsung Update Plus” gestartet werden, damit die wichtigsten Updates für das System heruntergeladen werden konnten. Nach dem Selbstupdate der Software (die auch wieder ohne Rückmeldung vom System ablief) dauerte es weitere 45 Minuten, bis auch die übrigen von Samsung angebotenen Updates installiert waren. Toll war auch, dass man immer nur ein Update zeitgleich installieren konnte. Es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn der Samsung-Updater die Installation in der richtigen Reihenfolge für einen vorgenommen hätte. Während ich diese fünf Updates also installierte, musste ich das System insgesamt zwei Mal neu starten. Dauer der ganzen Aktion, wie gesagt, rund eine Dreiviertelstunde. Hab ich schon erwähnt, dass das Windows Update noch nicht gelaufen ist? Nicht? Na ja, das wartete auch noch auf mich. Bis ich dann über die Browserwahl einen richtigen Browser (in diesem Falle Google Chrome) und alle erforderlichen Updates installiert hatte, sind dann weitere 60 Minuten ins Land gezogen. Der Download der Updates nahm davon keine fünf in Anspruch. Mittlerweile sind wir also bei über drei Stunden Vorbereitungszeit angelangt. Natürlich, die Updates hätte man auch weglassen können, aber wer geht freiwillig mit einem nicht aktualisierten Windows ins Internet? Also ich nicht.
Zusammenfassend: der erste Eindruck ist vernichtend. Bis zur ersten Inbetriebnahme des Geräts vergingen weit über drei Stunden. Ich habe mich nach dieser Orgie ernsthaft gefragt, ob jemand aus dem Marketing oder von den Ingenieuren diesen Prozess mehr als ein Mal hat über sich ergehen lassen. Der angeblich so unhörbar leise Lüfter war während des ganzen Prozesses durchaus hörbar und am Schaufeln. Laut war das Gerät trotz allem nicht, mein MacBook mit einem Core2Duo ist unter Last aber kaum lauter und selbst mein billiges Zweitnotebook von Acer (330 € vor ca. zwei Jahren) ist nicht deutlich lauter als dieses Gerät.
Von den mitgelieferten Anwendungen ist kaum etwas wirklich nutzbar. Der Großteil der Samsung-Tools benötigt administrative Rechte, was in nervigen UAC-Orgien ausartet. Vorinstalliert ist auch eine Software namens FailSafe, die einem das Remote-Löschen seiner Daten im Falle eines Diebstahls ermöglichen soll. Sehr gute Idee von Samsung, eine solche Software vorzuinstallieren, leider handelt es sich aber nur um eine 60-Tage-Version, was aufgrund des Gerätepreises aber durchaus nachvollziehbar ist. Doof an dieser Software ist nur, dass sie sich ständig in den Vordergrund drängt und gekauft werden möchte. Äußerst nervig, wenn man die Software nun wirklich nicht haben will. Das zeitaufwändig vorinstallierte Microsoft Office 2007 kommt ohne Seriennummer daher, obwohl die auf dem Desktop angelegte Verknüpfung erst gutes hoffen lässt: Microsoft Office 1-Jahr-Prepaidversion-Online. Wenn man diesen aber anklickt, kommt man auf die US-Downloadseite für die 30-Tage-Trial. Beim Start von Word wird man um einen Product Key gebeten. Auch verpatzt. Bevor ich nun mit der “Arbeit” beginne, wollte ich noch die Systemsoftware sichern. Umfang der Sicherung etwa 969 MB, Dauer des Kopiervorgangs auf meinen SafeStick Pro (Schreibrate an meinem iMac ca. 20 — 25 MB pro Sekunde) etwa eine Stunde bei einer Kopiergeschwindigkeit von 0,2 — 0,3 MB pro Sekunde. Ich verkneife mir weitere Kommentare.
Die Anwendungsperformance: YouTube-Videos in Chrome laufen nach einigen Sekunden des Einpendelns mit Ausnahme von wenigen kurzen Aussetzern flüssig. Das habe ich gleich als erstes ausprobiert, weil dies in den Rezensionen bei amazon.de immer wieder bemängelt wurde. Mit Chrome konnte ich die Kritik allerdings nur teilweise nachvollziehen. Aufgrund der geringen Leistung eines Atom-Prozessors ist die Geschwindigkeit also durchaus nachvollziehbar und zeigt erneut, was für ein Ressourcenkiller Flash wirklich ist. Die installierte Version des MS Office 2007 ist halbwegs flüssig bedienbar, das Abspeichern und Öffnen von Dateien dauert aber auch eine gefühlte Ewigkeit. Viele Rezensenten bei amazon.de berichteten, dass ein Speicherupgrade auf 2 GB den Großteil dieser Symptome beheben konnte, viele Netbook-Kunden, so könnte ich mir vorstellen, wissen aber gar nicht um die Möglichkeit, den Arbeitsspeicher aufzurüsten. Die Kosten hierfür sind minimal, sofern man das selbst machen kann. Alle anderen müssen auf den Preis des RAM-Moduls (2 GB DDR2 PC667) noch ca. 30 Minuten an Arbeitswerten in der Computerwerkstatt ihres Vertrauens oben drauf schlagen.

Windows 7 Starter Edition: Ein vollständig zugemüllter Desktop
Um es auf den Punkt zu bringen: wer mit der Maschine wirklich arbeiten möchte, sollte das Windows 7 Starter Edition, welches ohnehin in vielen Punkten gegenüber einer “Vollversion” kastriert ist, schnellstmöglich von der Festplatte werfen. Ob man dann hier zum hoffnungslos veralteten Windows XP greift oder lieber über den Tellerrand schaut und ein Betriebssystem nimmt, das besser auf den Einsatz auf dieser Geräteklasse angepasst ist, muss man natürlich selbst wissen.
Ich habe hier zum brandneuen Ubuntu 10.04 Netbook Edition gegriffen, welches vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Da das Samsung über kein optisches Laufwerk verfügt, musste ich zuerst ein startfähiges USB-Medium mit dem System erstellen, was aber von einem bereits installierten Ubuntu 10.04 aus ein Kinderspiel war. Im Menü System -> Systemverwaltung gibt es den Startmedienersteller. Den füttert man mit dem ISO, welches man unter anderem von meinem Server unter http://downloads.ulfklose.de/ubuntu-10.04-netbook-i386.iso herunterladen kann, und stöpselt einen ausreichend großen (mind. 2 GB) USB-Stick ein, auf den nun das Live-System, welches man auch auf den CDs findet, installiert wird. Dieser Vorgang dauert bei einem halbwegs flotten USB-Stick nur wenige Minuten. Danach kann man das Netbook von diesem USB-Stick starten, wenn man vorher im BIOS die Boot-Reihenfolge entsprechend geändert hat. Den Rezensionen auf amazon.de nach hat die Installation von Ubuntu auf dieser Maschine aber einen kleinen Haken: man verliert damit nicht nur die Systempartition mit Windows 7, sondern überflüssigerweise auch gleich seine Recovery-Partition. Dieser Schritt ist also ziemlich endgültig. Da ich mich zu diesem Zeitpunkt schon dazu entschieden hatte, das Gerät zurückzusenden, habe ich darauf verzichtet, das System tatsächlich auf die Festplatte aufzuspielen. Das war aber glücklicherweise auch gar nicht nötig, denn das Live-System lief von meinem USB-Stick aus so dermaßen schnell, dass man die Festplatte auch hätte ausbauen können. Der Systemstart dauerte etwas länger als der von Windows 7 (zur Erinnerung: Windows 7 von Festplatte, Ubuntu vom USB-Stick), danach war das System aber so was von flott, dass dieser Ärger schnell vergessen war. Die Ubuntu Netbook Edition ist hervorragend auf die kleinen Displays der Netbooks angepasst, da hier kein reguläres System für die Verwaltung der Anwendungen und Daten verwendet wird, sondern eine Art Karteikartenreitersystem, die aber die gleichen Namen tragen wie die Menüs in einem frisch installierten regulären Ubuntu. YouTube-Videos liefen in 480p flüssig, die vorinstallierten Anwendungen starteten vom USB-Stick normalerweise binnen weniger Sekunden, die verbaute Hardware wurde vollständig erkannt. So kam ich sofort in den Genuss von WLAN und der Grafikchip wurde scheinbar auch vollständig korrekt erkannt. Und, ich wiederhole mich, die Performance war echt beeindruckend. Für mich steht fest: sollte ich jemals ein Netbook kaufen, wird die Ubuntu Netbook Edition installiert. Sie sieht nicht nur besser aus als Windows 7 sondern kommt auch mit dem Limitierungen dieser Geräteklasse deutlich besser zurecht als Windows. Geschwindigkeit und Übersichtlichkeit sind bei Ubuntu Netbook Edition gegeben, von Windows 7 kann ich das nicht behaupten. Der Vollständigkeit halber habe ich dann noch mal ein reguläres Ubuntu 10.04 LTS vom Stick gestartet. Selbst vom Live-Stick war das System schneller als Windows 7 von der Festplatte. Ich wiederhole meine Empfehlung an die Besitzer dieses Geräts also noch mal: Windows 7 endgültig entfernen, Ubuntu (Netbook Edition oder nicht) drauf und schon kann man mit dem System im Auslieferungszustand einwandfrei arbeiten. Die prognostizierte Akkulaufzeit beträgt im Übrigen weit über sieben Stunden unter der Ubuntu Netbook Edition.
Typisch für Netbooks ist die Tastatur, auch für einen Menschen wie mich, der Zehn-Finger blind schreibt, etwas gewöhnungsbedürftig, aber noch akzeptabel. Einzig nervig ist die Anordnung der Taste mit den <- und >-Symbolen, diese liegt auf der rechten Seite der Tastatur links neben der Umschalttaste. Wieso? Keine Ahnung. die Umschalttaste liegt dazu noch so weit rechts außen, dass ich als 10-Finger-Tipper damit meine liebe Mühe habe, diese auch zu treffen. Das Touchpad ist so dermaßen winzig, dass sich damit eigentlich nicht arbeiten lässt. Ohne es gemessen zu haben, würde ich sagen, dass die Maße ca. 5 cm x 2 cm betragen. Eine Maus ist also als ständiger Begleiter unverzichtbar, wodurch man schon wieder einen Teil der Mobilität einbüsst. Im Park oder auf dem Beifahrersitz eines Autos kann man nun mal keine Maus unterbringen. Immerhin aber hat das Touchpad Multitouch, scrollen, vergrößern und kippen ist mit zwei Fingern möglich. Darüber hinaus hat Samsung das Netbook mit so scharfen Kanten versehen, dass man die Handballen nicht sonderlich lange darauf liegen lassen kann. Vielschreiber werden also lieber zu einem anderen Gerät greifen.

Ausschnittsbild der Tastatur mit der scharfkantigen Ecke
Das Gerät ist für einen Preis von 240,- € ein absolutes Schnäppchen, gar keine Frage. Mit diesem recht günstigen Preis erkauft man sich aber ein an allen Ecken und Enden lahmendes Gerät, mit dem sich eigentlich nicht vernünftig arbeiten lässt. Sowohl Details der Hardwareverarbeitung als auch der gesamte Softwareinstallationsprozess sind eine Zumutung und sollten heutzutage in dieser Form einfach nicht mehr auftauchen. Wenn man allerdings Ubuntu oder Ubuntu Netbook Edition installiert, ist das Gerät ein durchaus attraktiver Begleiter für unterwegs. Mit einem passenden UMTS-Stick kommt man damit auch mobil ins Internet, was Ubuntu sei Dank auch ziemlich flott geht. An den scharfen Kanten und dem viel zu kleinen Touchpad sowie der etwas missgestalteten Tastatur kann das Betriebssystem aber leider auch nichts ändern.
Die Tauglichkeit für richtiges Arbeiten möchte ich zum Abschluss auch noch bewertet haben. Aufgrund des kleinen Displays, der merkwürdig gestalteten Tastatur und der scharfen Kanten des Geräts eignet sich speziell dieses Netbook nicht für lange Arbeitssitzungen. Bei anderen Netbooks entfallen die letzten beiden Mankos im Allgemeinen, das kleine Display bleibt aber. Ich habe testhalber mit dem Gerät gesurft, einen kurzen Text verfasst, Musik gehört, YouTube-Videos geschaut, mit dem Terminal gearbeitet, Twitter genutzt und ein wenig Quellcode bearbeitet. Unter Windows 7 war das, weil ich natürlich vieles davon parallel laufen lies, unerträglich langsam. Die ersten zwei gestarteten Programme kamen noch halbwegs vernünftig miteinander aus, danach wurde es echt hakelig. Unter Ubuntu Netbook Edition hatte ich diese Probleme glücklicherweise nicht. Zum Surfen, E-Mailen, etc. würde mir das Gerät von der Displaygröße her sogar genügen, zum Bearbeiten von Quellcode eignet sich das kleine Display mit seinen 1024 x 600 Pixel leider nicht. Bearbeitet man den Quellcode in einem Texteditor wie Gedit, mag das noch halbwegs gut gehen, benötigt man eine IDE wie Eclipse wird es wirklich eng. In der Standardaufteilung habe ich vielleicht noch acht Zeilen Code sehen können, der Rest war von anderen Elementen der Anwendung belegt. Textverarbeitung geht bei kurzen Dokumenten noch gut, ein testhalber geladenes Dokument mit etwas über 30 Seiten Umfang lies sich natürlich bearbeiten, die Übersicht ging hierbei aber vollständig flöten, da man nur am Scrollen war. Als großes Smartphone eignet sich ein Netbook aus meiner Sicht durchaus, als Ersatz für ein Notebook hingegen scheint mir diese Geräteklasse vollständig ungeeignet.