Wer mich kennt weiß, dass ich ein Befürworter von Cloud-Diensten bin. Ich finde die Cloud toll und nutze selbst recht viele dieser Dienste: Google Apps, Flickr, Amazon S3, Tumblr, Posterous, Heroku, MobileMe, Dropbox und so weiter. Und ich fühle mich gut dabei. Gut deswegen, weil ich mir keine Gedanken über Backups machen muss. Gut, weil ich mir sicher sein kann, dass all meine Daten fast immer verfügbar sind, wenn ich sie brauche. Auch in der Cloud wird keine 100%ige Erreichbarkeit erreicht, aber 99,9 % genügen mir auch vollkommen. Rein rechnerisch sind damit 8,76 Stunden pro Jahr erlaubte Ausfallzeit drin. Das ist ok. Selbst-gehostete Dienste stehen eher schlechter denn besser dar.
Viele argumentieren gegen die Cloud mit einem vollständigen Kontrollverlust, der Cloud-Anbieter kann ja theoretisch mit meinen Daten tun und lassen, was er will. Zuletzt geschehen bei Wikileaks. Und das könnte natürlich auch mir passieren. Vielleicht gefällt Posterous ja nicht, was ich hier so von mir gebe. Oder der Staatsanwalt ruft bei Posterous an. Und dann macht einer der Mitarbeiter von Posterous (oder Tumblr, Google, sonstwem) Klick und schaltet meinen Account ab. Aber andererseits, kürzlich gesehen an dem Vorfall mit nerdcore.de, kann das auch außerhalb der Cloud passieren. Den Gedankengang können wir also getrost abhaken. Wenn ich nicht selbst dafür sorge, dass meine Inhalte auf verschiedenen Servern in verschiedenen Ländern abgelegt sind, hab ich wohl nie eine Sicherheit, dass nicht jemand drittes einfach meinen Service abschaltet.
Vor einigen Tagen ist bei Flickr der Supergau passiert. Ein Schweizer Nutzer hat sich bei Flickr beschwert, dass jemand seine Inhalte klauen würde. Ein Mitarbeiter von Flickr hat das Problem beheben wollen, dabei aber versehentlich den Account des Schweizers, Mirco Wilhelm, gelöscht. Kann ja mal vorkommen und kann natürlich auch außerhalb der Cloud passieren. Aber ich würde jetzt einfach davon ausgehen, dass man sich ein Backup schnappt und den Account lückenlos wiederherstellen kann. Scheinbar ist das aber, wenigstens in der Flickr-Cloud, nicht so ohne weiteres möglich. Mittlerweile, rund 24 Stunden später, haben die Techniker bei Flickr wohl den gesamten Account erfolgreich wiederherstellen können. Ohne den Aufschrei, den dieser Vorfall hervorgerufen hat, wäre es aber nicht unbedingt so weit gekommen. Scheinbar hatten die Mitarbeiter bei Flickr wirklich gut zu tun, um diese Wiederherstellung zu erreichen. Ein wenig frech war auch die anfängliche Reaktion von Flickr, dem armen Mann ganze vier Jahre einer Pro-Mitgliedschaft zu schenken. Zur Erinnerung: Flickr Pro kostet schlappe 25 US-$ im Jahr. Ein Gegenwert von nicht mal 100 Dollar ersetzt wohl kaum den Verlust von 3.400 Fotos, die in Mircos Account gespeichert waren.
Auch wenn Flickr letzten Endes erfolgreich den gesamten Account hat wiederherstellen können (und Herrn Wilhelm 25 Jahre Pro-Mitgliedschaft geschenkt hat), sollte man sich vielleicht nicht zu sehr zurücklehnen, nur weil die Daten in der Cloud liegen und diese ja nahezu unzerstörbar ist. Sicherlich, eine Cloud schützt recht effizient vor dem Datenverlust durch Hardwareschäden, nicht aber vor Benutzerfehlern. Auch bei der Verwendung von Cloud-Diensten scheint also eine sinnvolle Backupstrategie unumgänglich zu sein.
Randnotiz: ich bin mit Dropbox mal ein wenig auf die Nase gefallen. Dort abgelegte LaTeX-Quellen wurden vom Service irgendwie zerstört. Die Inhalte entsprachen in keinster Weise denen, die ich ursprünglich abgelegt habe. Das sonst recht effiziente und gut arbeitende Hashing von Dropbox wird hier wohl eine latente Fehlfunktion gehabt haben. Und natürlich hab ich den Dropbox-Ordner aus meinem Time-Machine-Backup ausgeschlossen…