Unser aller Freund, Mark Zuckerberg, Chef von Facebook, gab vor gar nicht so langer Zeit bekannt, dass das Zeitalter der Privatsphäre vorbei sei. Ich habe mir zu dieser Aussage ein paar Gedanken gemacht, die ich an dieser Stelle kurz niederschreiben möchte.
Wenn wir der aktuellen Zeit ins Auge sehen, hat der Mann gar nicht so unrecht damit. Wir geben immer mehr von uns preis, ob freiwillig oder unfreiwillig. Unfreiwillig beim Einkaufen im Internet, beim Bezahlen mit der Kreditkarte, beim Einwohnermeldeamt, bei der Steuererklärung, beim Benutzen von Bankautomaten oder beim Tanken. Überall werden wir überwacht, sei es rein digital oder in Verbindung mit Bilderfassungsgeräten wie Kameras. Freiwillig geben wir Daten preis, wenn wir uns bewerben, an Gewinnspielen teilnehmen, uns bei Internetseiten (mit ungefälschten Daten) anmelden, an sozialen Netzwerken teilnehmen oder uns im Netz auf Partnersuche begeben. Der Unterschied ist aus meiner Sicht hauptsächlich psychologischer Natur, denn häufig ist es so, dass umso ehrlicher und ausführlicher wir bei der Preisgabe unserer Daten sind, desto besser ist es für uns (bei Bewerbungen bspw. oder bei Gewinnspielen, der Gewinn soll ja auch ankommen).
Zu welchem Zweck dienen Social Networks? Kontaktaufbau und Pflege. Wie entstehen Kontakte? Entweder, der Kontakt bestand bereits analog oder er kommt digital über vielleicht ähnliche Interessensgebiete zustande. Damit eines von beidem funktioniert, müssen die Daten im Profil aber auch stimmen. Mit falschem Namen wird man nicht gefunden, mit falschen oder gar keinen Angaben zu Hobbys, etc. wird einen kein Gleichgesinnter anschreiben können. Wenn man nun die beiden Platzhirsche in Deutschland, die VZ-Netzwerke und Facebook, nimmt und gegenüber stellt, fällt auf, dass die VZ-Netzwerke typisch Deutsch sind: recht verschlossen und veraltet. Facebook ist das Gegenteil. Ist es denn nun gut, dass Facebook-Profile auch von Google erfasst werden können? Oder ist das Vorbild der VZ-Netzwerke mit der vollständig geschlossenen Community vorzuziehen? Das ist natürlich wieder eine Geschmacksfrage, aber wenn man Social Networks als das nimmt, was sie eigentlich sein sollen, sollte es schon möglich sein, dass mich jemand auch einfach per Google findet. Hat man keinen Account bei den VZ-Netzwerken, kann man auch nicht deren Datenbestand durchsuchen. Und nur einen Account holen um einen Menschen zu suchen, von dem man nicht mal weiß, ob er tatsächlich dort angemeldet ist? Mir persönlich wäre das zu viel Aufwand. Zumal ich bei Facebook auch bestimmen kann, dass mein Profil nicht von Google indiziert wird. Diesen Weg halte ich für deutlich sinnvoller. Nicht müssen, aber können. (Und nein, mein Groll auf Facebook besteht weiterhin.)
Und sonst? Wir haben das Privileg in einer "freien Welt" zu leben. Wir können fast alles tun und lassen, sofern wir gewisse Grenzen nicht überschreiten. Ich könnte jetzt durch die Strassen laufen und dabei rufen "Es gibt keinen Gott!" und ich würde nicht gleich festgenommen oder von der wütenden Meute gesteinigt werden, in Nahost oder den USA könnte das schon wieder anders ausgehen. Aber gut, bei diesem Thema… Aber überlegen wir doch mal, wie viele Daten allein schon unser Staat über uns sammelt. Nach meiner Gewerbeanmeldung im Jahre 2001 hat es keine zwei Monate gedauert, bis die ersten Werbeschreiben von Büroartikellieferanten bei mir eintrudelten. Wohl gemerkt mit meinem vollen Namen und in der Schreibweise, die nur auf meinem Personalausweis und in meiner Gewerbeanmeldung steht, den kennt also niemand, da ich ihn nirgendwo angebe. Es war also klar, wer hier von wem die Adressdaten bekommen hat. Oder die Datenweitergabe an die GEZ. Konteneinsicht bei Hartz-IV-Empfängern. An Bankautomaten, Flughäfen, Tankstellen, Supermärkten, Raststätten, Bahnhöfen… ihr merkt schon, worauf ich hinaus will, hängen überall Überwachungskameras. Was mit dem Material, das aufgenommen wird passiert? Keine Ahnung. Es wird wohl eine Art Aufbewahrungspflicht geben.
Wenn wir uns die Deutschlandcard, Payback-Karten und sonstige Bonussystemkarten holen, geben wir freiwillig Daten weiter, für die wir dann ein paar Cent im Monat bekommen. Geld regiert nun mal die Welt. Unserem Staat haben wir wohl zu verdanken, dass solche Daten nicht regulär gesammelt werden dürfen, obwohl er selbst ähnliche Praktiken betreibt.
Datenschutz ist wichtig. Oder? Ist er das? Prinzipiell halte ich die Weitergabe von Daten nicht für verwerflich. Informationsfluss ist der Grund, wieso die Welt heutzutage relativ friedlich ist. Umso kommunikativer eine Region ist, desto friedlicher ist sie, scheint mir wenigstens so. Nur durch die Weitergabe von Informationen kann Wissen konserviert werden. Ich bewundere Unternehmen, die ganz offen über Geschäftserfolg oder -misserfolg, über technische Kniffe aus ihrem Alltag oder andere Tipps in ihren Blogs schreiben. In Deutschland sucht man nach solchen Unternehmen natürlich lange, in den USA aber hat sich dieses Verhalten anscheinend etabliert. Ich persönlich würde hier ähnlich vorgehen und tue es auch immer wieder, wenn ich technisches an dieser Stelle blogge. Viele dieser Artikel sind nämlich durch Wissen entstanden, was ich mir im Rahmen von Kundenprojekten angeeignet habe. Der Deutsche würde im Allgemeinen raten, diese "Geheimnisse" zu bewahren, aber die Zeit der Geheimniskrämerei ist vorbei. Ich bin mir sicher, würden nicht viele Menschen weiterhin so denken, dass sie alles geheim halten wollen, wäre die Menschheit schon zwei Jahrhunderte weiter. Vielleicht hätten wir dann wirklich fliegende Vehikel, die keine fossilen Brennstoffe benötigen. Wer der Meinung ist, durch die Bekanntgabe eines Konzepts der Konkurrenz die Mittel zu liefern, um einen auszustechen, dem ist aber sowieso nicht mehr zu helfen. Oder kann ein 5-Sterne-Koch seinen Laden dicht machen, weil er seine Rezepte in einem Kochbuch bekannt gibt? Eher nicht. Wird ein Universitätsprofessor durch einen Studenten ersetzt, weil er diesem sein Wissen weitergegeben hat? Wird ein Fotograf arbeitslos, weil er über seine Kniffe und Tricks schreibt? Wohl auch nicht. Aber diese Informationen helfen anderen, anders oder ähnlich geartete Probleme zu lösen.
Natürlich gibt es aber auch Informationen, die niemanden etwas angehen. Familieninterna, sexuelle Vorlieben, psychologische Probleme, all dies sind Informationen, die weiterhin nicht in der Öffentlichkeit breitgetreten werden sollten. Schundblätter wie die BILD aber verdienen damit ihr Geld, weil der Durchschnittsbürger es scheinbar furchtbar interessant findet darüber zu lesen, dass Promi XY mal wieder seine Frau betrogen hat. Realitysoaps wie Big Brother oder Germany's Next Top Model sind absolute "Verkaufsschlager", hier erhalten wir wieder eine Menge Einblicke in das Privatleben anderer. Häufig sind es aber genau die Leute, die sich ihre Freizeit mit diesem Mist vertreiben, die sich über die staatliche Überwachung oder die Offenheit sozialer Netzwerke echauffieren. Aus meiner Sicht passt das einfach nicht zusammen.
Werbung ist auch solch ein Thema. Wir wissen, dass vieles heutzutage nicht ohne Werbung funktionieren kann. Ich persönlich mag es lieber, wenn ich Werbung bekomme, die mich auch anspricht, also meinen Interessengebieten entspricht. Postwerbung wandert bei mir ausnahmslos sofort in die Altpapiertonne, digitale Werbung bestelle ich mir teilweise intentional, andere bekomme ich aufgrund meiner Suchbegriffe angezeigt. Diese stört mich aber auch nicht so massiv, da ich ja nach passenden Themen gesucht habe. Natürlich findet hier auch wieder eine Datensammlung statt, der ich aber wieder aus dem Grund stattgegeben habe, aus dem viele sich Deutschland- oder Payback-Karten holen: Geld. Als Gegenleistung für die kostenfreie Nutzung von vielen Webservices, gestatte ich diesen Unternehmen einen kleinen Einblick in mein Privatleben. Und ich bin mir sicher, dass Datenkraken wie Google kein persönliches Interesse an mir haben, sondern einfach nur eine Gegenleistung für den durch mich entstandenen Aufwand haben wollen, was durchaus legitim ist. Jeder möchte für seine Arbeit bezahlt werden, im Regelfall wenigstens. Niemand wird eine Strafanzeige bekommen, weil er nach THC-haltigen Rauschmitteln gesucht hat, eine Suche nach Neonaziverbänden wird nicht gleich in einem Besuch von Verfassungsschützern münden. Wenigstens nicht in Deutschland. Und soweit ich weiß, müssen Google und Co. auch keine Daten an US-amerikanische Behörden rausgeben, solange keine wirkliche Begründung vorliegt. Eine Weitergabe einer Suchbegriffhistorie an potentielle Arbeitgeber steht vorerst auch nicht auf dem Programm.
Natürlich sollte jedes Individuum selbst bestimmen können, wie viel es von sich preis gibt, übermäßige Geheimniskrämerei ist aber aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß. Das Internet ist genau deswegen so erfolgreich geworden, weil Informationen unkompliziert und kostengünstig weitergegeben werden können. Viele Informationen, die wir heutzutage im Internet finden, waren vor wenigen Jahrzehnten für den Durchschnittsbürger noch unerreichbar. Denken wir doch mal an die Wikipedia. Wie viele fähige Leute haben dort ihr Wissen zusammengetragen oder Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Ein wirklich tolles Projekt, das das Potential des Internets hervorragend aufzeigt.
Die ursprüngliche Struktur dieses Artikels musste ich beim Schreiben leider etwas über den Haufen werfen, der Artikel ist chaotischer geworden als geplant. Das Thema Datenschutz wird gerade in Deutschland häufig sehr emotionsgeladen diskutiert, wovon ich mich auch nicht ausnehmen kann. Ich möchte an dieser Stelle deswegen noch mal klarstellen, dass ich den Datenschutz nicht verachte oder als überflüssig darstelle, ich möchte nur zur Relativierung dieses in Deutschland ziemlich kontrovers diskutierten Themas anregen. Häufig habe ich einfach das Gefühl, dass dieses Thema zu einseitig behandelt wird und der Datenschutz über alles gestellt wird. Ich denke, dass vielerorts die Weitergabe von Daten sinnvoll, wenn nicht sogar unabdingbar ist. Würde sich die Menschheit generell gegen die Weitergabe von Daten sperren, würden wir wohl noch immer in Höhlen leben. Payback-Karten und andere Bonussystems sind in Deutschland weitestgehend akzeptiert, gegen die Weitergabe selbstbestimmt eingegebener Daten im Internet wird aber Sturm gelaufen. Das ist, aus meiner Sicht, einfach nicht logisch.