Mass_effect_2

Vor zwei Tagen hatte ich es durch: Mass Effect 2 von BioWare. Rund 40 Stunden Spielzeit (und fünf Stunden Ladezeit) habe ich investieren müssen, um als Commander Shepard (mal wieder) die Milchstraße und all ihre Völker zu retten.

BioWare hat es beim zweiten Teil der Saga (dass ein dritter Teil kommt, ist beschlossene Sache) geschafft, die Mängel des ersten Teils vollständig zu eliminieren. Bis auf die Ladezeiten, die sind geblieben. Der zweite Teil erstreckt sich außerdem über zwei DVDs, man muss also während des Spiels wechseln. Eine Installation des Inhalts der zweiten DVD ist nicht vorgesehen. Positiv auffällt, dass man die Spielstände des ersten Teils importieren kann, man kann also mit seinem guten alten Charakter weiter spielen.

Mass Effect 2 fängt da an, wo Mass Effect 1 aufhörte. Na gut, zwei Jahre später. Aber trotzdem. Shepard wurde sozusagen rekonstruiert, also von den Toten zurückgeholt unter Einsatz modernster Technologien. Aber nicht von der Allianz, die er einst rettete und die ihn zum ersten menschlichen Spectre ernannte, sondern von seinem ehemaligen Erzfeind Cerberus. Mit zweier derer Mitarbeiter als Squad beginnt man das Spiel auch, natürlich kommen im Verlaufe des Spiels weitere Partymitglieder hinzu. Die Anzahl dieser unterscheidet sich um bis zu zwei, je nachdem, ob man die Special Edition kauft und den Bonus Content auch noch erwirbt. BioWare und EA haben mit dem Cerberus Network eine Art Weiterverkaufsschutz in das Spiel eingebaut, da der Code für das sog. Cerberus Network nur genau ein Mal gültig ist. Sollte ich mein Exemplar also weiterverkaufen wollen, steht der Käufer ohne diese Erweiterung da und muss sie für schlappe 1.200 Xbox-Punkte (ca. 14 €) nachträglich erwerben. Oder er verzichtet auf den Bonus-Inhalt, der neben dem zusätzlichen Charakter auch noch aus weiteren Missionen besteht. Für 560 Xbox-Punkte kann man noch einen weiteren Charakter sowie zwei Missionen und eine Waffe erwerben.

13551-mass_effect_2

Ansonsten ist alles, bis auf Details beim Alten geblieben: der Navigator der neuen Normandy ist wieder der gute alte Joker, der aber von einer schiffinternen KI, genannt EDI, unterstützt wird. Nach anfänglichen Schwierigkeiten haben die beiden sich ziemlich schnell aufeinander eingeschossen und EDI rettet im Verlauf des Spiels die eine oder andere kritische Situation. Cerberus wird vom undurchsichtigen Illusive Man geleitet, der einem das gesamte Spiel über ein Rätsel bleibt. Dessen genaue Absichten sind bis zum Ende des Spiels nicht klar, selbst beim Abspann ist man sich nicht sicher, ob man die richtigen Entscheidungen in Bezug auf diesen Charakter getroffen hat.

Jeder Charakter bringt eine Mission mit, die man erfüllen muss, um dessen Loyalität zu gewinnen. Ist ein Teammitglied loyal, wirkt sich das auf dessen Fähigkeiten aus, man ist also gut daran beraten, vor dem Endsturm auf die Collectors seine Teammitglieder zu loyalen Teammitgliedern zu machen. Um während des Spiels eingesammelte Artefakte wie Waffen, Schilde und Schiffserweiterungen verwenden zu können, benötigt man Ressourcen. Diese erhält man durch wahllos in den Missionen verteilte Boxen und/oder durch das Scannen von besuchten Planeten und Monden. Das wird irgendwann wirklich langweilig, ratsam ist es trotzdem. Ich habe es in den ca. 40 Stunden Spielzeit geschafft, sämtliche Sternensysteme zu besuchen und dort nach Ressourcen zu suchen. Das Reisemittel ist, wie schon im ersten Teil, das Mass Relay, welches einen quasi sofort in einen anderen Sternencluster katapultiert. Zwischen den dortigen Sternsystemen reist man "konventionell", man benötigt für diese Reisen Sprit. Um Planeten nach Rohstoffen zu durchsuchen, benötigt man Sonden. Beides kann man käuflich an "Tankstellen" erwerben, die sich in jedem System mit einem Mass Relay befinden. Um diese zu bezahlen benötigt man Credits, die man durch erfüllte Missionen, gefundene Artefakte und ähnliches erhält.

Mass_effect

Im Verlauf des Spiels hat man immer wieder die Möglichkeit, sich für eine heldenhafte "Paragon"-Action oder eine rüpelhafte "Renegade"-Action zu entscheiden. Je nachdem, wie man sich seinen Mit"menschen" gegenüber verhält, schaltet man durch die gesammelten Punkte zusätzliche Dialogoptionen frei, die einem Zugriff auf bestimmte Punkte des Spiels ermöglichen. Manchmal ist die Zeitspanne, in der man mit dem linken Trigger (Paragon) oder dem rechten Trigger (Renegade) reagieren kann aber so kurz, dass man nicht wirklich dazu kommt, zu reagieren. Leider. Ansonsten eine gute Idee. So kann man bspw. Teammitglieder davor bewahren, aus Rage ehemalige Freunde abzuknallen oder man befördert Söldner mit einem Stoß aus einem Hochhausfenster.

Mass Effect 2 ist ein sehr würdiger Nachfolger des schon fast genialen ersten Teils und merzt dessen Mängel beinahe vollständig aus. Nur die nervigen Ladezeiten sind geblieben. Dafür muss man nicht mehr stundenlang mit einem recht lahmen Fahrzeug schiessend über fremde Planeten fahren, was mich am ersten Teil am meisten genervt hat. Die Story ist ziemlich ausgeklügelt, die Dialoge, von denen es wieder sehr viele gibt, sind hervorragend gestaltet und mit absolut professionellen Sprechern versehen. Ich habe die englische Version gespielt, kann also zur Qualität der deutschen Synchronfassung nichts sagen. Wie ich schon beim Beginn des Spiels twitterte, ist das Spiel ein durchaus guter Grund, sich eine Xbox 360 zuzulegen, da das Spiel nur für PC und Xbox 360 erschienen ist. Ob die PC-Fassung qualitativ mit der Xbox-Fassung mithalten kann, weiß ich aber nicht. Summasummarum handelt es sich bei Mass Effect 2 um ein hervorragendes Spiel, das einen einige Stunden an den Bildschirm fesselt und durchaus zu einem weiteren Spieldurchlauf anspornt. Ob ich bereit bin, die Zeit dafür zu opfern, weiß ich aber noch nicht.